|
Am vergangenen Mittwoch stellte der Naturschutzbund (NABU)
sein aktuelles Schutzprojekt für den Uhu vor. Der Steinbruch
„Am Köpfel“ bei Langd wurde durch den NABU Hessen in
Zusammenarbeit mit dem Kreisverband Gießen und der Ortsgruppe
Langd erworben und soll nun künftig als Brutgebiet für den Uhu
und viele weitere seltene Tiere und Pflanzen gesichert werden.
Für einen noch ausstehenden Restbetrag bittet der NABU
weiterhin um Spenden für Kauf und Sicherung des Steinbruches.
Der Uhu, Vogel des Jahres 2005 und Symbol
für die Artenvielfalt in stillgelegten Steinbrüchen, ist
bereits seit 1999 Brutvogel im Langder Steinbruch, wie Bodo
Fritz erläuterte. Der Vorsitzende des NABU Langd und des
Vereins für Vogel-, Umwelt-, Landschaftsschutz und
Landschaftpflege (VNULL) berichtete über die Geschichte des
Steinbruches. Bereits seit 1991 sei man bemüht, das Gelände in
Zusammenarbeit mit den Behörden zu sichern. Zwischenzeitlich
wurde seitens des Betreibers eine Genehmigung zur teilweisen
Verfüllung beantragt, doch dem machte letztendlich der Einzug
des Uhus einen Strich durch die Rechnung. Auch große Teile der
örtlichen Bevölkerung engagierten sich nun für das Kleinod.
Schließlich wurden sich NABU und Steinbruchbesitzer einig und
das Gelände wird nun dauerhaft für die Natur gesichert. Die
ortsansässigen Naturschützer werden auch die Pflege des etwa
1,5 Hektar umfassenden Steinbruches übernehmen.
NABU-Landesgeschäftführer Hartmut Mai und
Dr. Achim Zedler vom Kreisverband zeigten sich erfreut, dass
der Steinbruch nun von der NABU-Stiftung „Hessisches
Naturerbe“ übernommen werden konnte. „Wir möchten die Menschen
nicht aus der Natur aussperren, sondern sie ihnen zeigen und
Verständnis für unsere Anliegen wecken“, sagte Mai. Der
Steinbruch solle nicht grundsätzlich tabu sein, aber während
der Brutzeit des Uhus nicht betreten werden, baten Fritz und
Mai. „Wilde Tiere und Artenvielfalt gibt es nicht nur in
Afrika sondern auch bei uns.“ In der Tat: Viele wärmeliebende
und dabei seltene Tier und Pflanzenarten sind in dem
vielfältigen Gelände zu finden. Neben Felswänden gibt es
sonnenexponierte Magerrasen, wo sich Zauneidechsen und
Schlingnattern, Tagfalter und Heuschrecken tummeln.
Rote-Liste-Arten auf den Magerrasen sind beispielsweise
Karthäuser- und Büschel-Nelke. In zeitweise vorhandenen
Tümpeln können die Kaulquappen der seltenen Wechselkröte
heranwachsen. An Boden und Felsen konnten sich langsam
wachsende Flechten entwickeln. Erstaunlicher Weise brütet in
der Nachbarschaft des Uhus regelmäßig ein Turmfalkenpaar,
obwohl dessen Nachwuchs der großen Eule regelmäßig zum Opfer
fällt. „Ganz normal“, betonte NABU-Fachmann Fritz. Der Uhu
stehe als größte Eule an der Spitze der Nahrungskette, und
mache auch vor kleineren Artgenossen wie Schleiereulen nicht
halt. „Immerhin fressen die jungen Turmfalken auch an den
Resten, die der Uhu übrig lässt.“
Die größte einheimische Eule befand sich
schon am Rand des Aussterbens. Gezielte Auswilderungen und
Artenschutzprojekte zeigten jedoch Erfolg und halfen dem Uhu
bei der Rückkehr. Der wissenschaftlich Bubo bubo – nach seinen
Rufen – genannte Vogel ist damit einer der großen Gewinner und
ein Erfolgsbeispiel für Naturschutzprojekte. Dennoch ist der
Uhu auf menschliche Hilfe angewiesen, nun müssen seine
Lebensräume und Brutgebiete dauerhaft gesichert werden, um die
Population von 800 bis 1000 Brutpaaren in Deutschland stabil
zu halten.
|
|