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News-Ticker


  • Erfolgreiche Schutzmaßnahmen demonstriert

     50 Interessierte beim „Krofdorfer Schwalbentag“

     Kreis Gießen/Wettenberg (tma). Mehrmals im Jahr kommen die Naturschutzbund-Gruppen und die Vogelschutzbeauftragten unter Federführung des NABU-Kreisverbandes Gießen an wechselnden Orten zusammen. Das jüngste Treffen fand in Zusammenarbeit mit dem NABU Krofdorf-Gleiberg zum Thema Schwalbenschutz am vergangenen Samstag statt. Eingeladen zu dem Erfahrungsaustausch waren auch die Betreuer von Schwalbenhäusern aus dem gesamten Bundesgebiet und darüber hinaus. 

    Auf dem Programm stand eine Exkursion durch den Ort, in dem im vergangenen Jahr 294 besetzte Mehlschwalbennester gezählt wurden. Anschließend wurden wichtige Punkte eines erfolgreichen Mehlschwalbenschutzes in einem Kurzvortrag vertieft. Alle Tipps und Tricks sowie wissenswertes über die Schwalbenhäuser sind zudem in einer neuen Ausgabe der Vereinsbroschüre „ZilpZalp“ nachzulesen.

    Das „A und O“ einer nachhaltigen Sicherung des Mehlschwalbenbestandes sei die Aufklärungsarbeit, hieß es im Vortrag von Oliver Wegener. Mehlschwalben bauen ihre Lehmnester an Hauswände, und sind wegen ihrer Hinterlassenschaften bei vielen Hausbesitzern nicht gern gesehen. Vogelschützer sollten aktiv auf die Hausbesitzer zu gehen, sie beraten und mit Anbringen von Kotbrettern und Kunstnestern unterstützen. Zudem sei eine genaue Bestandsaufnahme der vorhandenen und besetzten Schwalbennester hilfreich. Aufgrund dieser Daten könnten gute Standorte gezielt gesichert und mit künstlichen Nestern ergänzt werden. Zu guter Letzt könne ein Schwalbenhaus als dauerhaft sicherer Koloniestandort aufgebaut werden. Einer solchen Maßnahme müsste jedoch eine genaue Beratung und Standortprüfung voraus gehen, damit das Vorhaben Erfolg hat. Es gebe einerseits Beispiele, wo ein Schwalbenhaus gleich nach der Aufstellung angenommen wurde, doch leider warten noch viele der künstlichen Mehlschwalbenkolonien auf ihre gefiederten Bewohner, berichtete der Agraringenieur. Die dem Krofdorfer bislang bekannten Standorte sind unter www.schwalbenschutz.de im Internet einzusehen.

    Zuvor führten Reinhold Stork und Oliver Wegener die Teilnehmer in zwei Gruppen zu den beiden Krofdorfer Schwalbenhäusern. Auf dem Weg wurden auch kleinere Maßnahmen, wie das fachgerechte Anbringen von Kotbrettern und Kunstnestern erörtert.

    Zu Beginn der Veranstaltung begrüßten Hans-Erich Wissner, Vorsitzender des NABU-Kreisverbands, und Hans-Richard Wegener, Vorsitzender der Krofdorfer NABU-Gruppe, die Anwesenden und zeigten sich erfreut, dass das Thema des Schwalbenschutzes so vielen am Herzen liege. Wegener richtete seinen Dank an alle, die den Schutz von Mehl- und Rauchschwalben sowie Mauerseglern unterstützen, so unter anderem auch die Hessische Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformatik. „Es wäre schön, wenn die Gedanken im Sinne eines nachhaltigen Natur- und Umweltschutzes weiter getragen würden.“ Bürgermeister Gerhard Schmidt erinnerte sich in seinem Grußwort an die 50er Jahre, wo noch in fast jedem Haus ein Viehbestand vorhanden war: „Die Schwalben gehörten einfach dazu.“ Der NABU Krofdorf-Gleiberg habe auch den Schwalbenschutz über 40 Jahre konsequent umgesetzt. Bei Problemen, beispielsweise als es hygienische Bedenken über den Vogelkot unter dem Schwalbenhaus auf dem Spielplatz Schieferstraße gab, zogen Gemeinde und Naturschutz an einem Strang. Unter den Gästen weilten auch Hans Karpenstein, Vorsitzender der Gemeindevertretung, Michael Krick, Wettenbergs Umweltbeauftragter, Karl Herrmann, Kreisbeauftragter für Vogelschutz.

     

     

    „Viel Arbeit läuft im Hintergrund“

     Kreis Gießen / Steinbach (tma). Rund sechzig Stellungnahmen im Rahmen der Anhörung der Träger öffentlicher Belange, Durchführung von Gruppentreffen und Information der Öffentlichkeit prägten das vergangene Geschäftsjahr des Kreisvorstandes Gießen im Naturschutzbund Deutschland (NABU). Vorsitzender Hans-Erich Wissner und sein Stellvertreter Dr. Achim Zedler berichteten während der Jahreshauptversammlung am Freitag in Steinbach über die Arbeit des Vorstands, bei der „viele Fäden im Hintergrund gezogen werden.“

     Über vierzig Anwesende konnte Wissner im „Hessischen Hof“ begrüßen, darunter auch den Ersten Kreisbeigeordneten Stefan Becker, den Vorsitzenden des Naturschutzbeirates Erhard Thörner, Karl Herrmann als Kreisbeauftragten für Vogelschutz sowie Hartmut Mai, NABU-Landesgeschäftsführer. Luise Klee stellte die NABU-Gruppe Steinbach kurz vor. Stefan Becker lobte die Arbeit des Naturschutzbundes, der Verband und der Landkreis hätten an vielen stellen Berührungspunkte. Beispielsweise seien Brut- und Beobachtungsdaten, die von den ehrenamtlichen Naturschützern erhoben werden, eine große Hilfe für die Arbeit der Unteren Naturschutzbehörde. „Ich kann Sie nur ermuntern, immer wieder auch jüngere Menschen anzusprechen und zum Mitmachen zu begeistern.“

    Den Kassenbericht hielt Günter Guckelsberger. Die Kassenprüfer Hans-Jörg Haas und Martin Magnus bescheinigten eine ordentliche Kassenführung. Dem Vorstand wurde Entlastung erteilt. Diethard Heyn löst Hans-Jörg Haas als Kassenprüfer ab.

    Wissner dankte in seinem Bericht zunächst allen, die die Arbeit des Kreisvorstands unterstützt oder erst ermöglicht haben. Im Jahr 2004 erschien Band 13 des „Vogelkundlichen Jahresberichtes“. Vier Ortsgruppentreffen, die Jahreshauptversammlung und die Tagung der Vogelschutzbeauftragten fanden an wechselnden Orten statt. Unter anderem war der Kreisvorstand an Anhörungsverfahren zu Bebauungs- und Flächennutzungsplänen, Renaturierungen und Flurbereinigungen beteiligt. Achim Zedler erwähnte als konkrete Beispiele die Ausweisung eines Modellflugplatzes, den Ausbau der A5 und den Verkauf der Ayers-Kaserne. Kritisiert wurde der zunehmende Kanu-Tourismus auf der Lahn. Auch in sensiblen Bereichen wie Laich- und Brutgebieten werde kaum Rücksicht auf Naturschutzbelange genommen. Für die Landschaftspflege stehen selbst für Naturschutzgebiete kaum noch öffentliche Gelder zur Verfügung. Für den Fall dass aufgrund mangelnder Pflege bestimmte Naturschutzgebiete an Wert verlieren, sollte dies dokumentiert werden – „eventuell gibt es am Jahresende immer noch Möglichkeiten an Finanzmittel heranzukommen“, erklärte Zedler.

    Peggy Schneeweiß berichtete über die Jugendarbeit. Es wurden mehrere Treffen der Jugendgruppenleiter im Kreis Gießen organisiert, um die Arbeit mehr kreisweit zu vernetzen. In diesem Jahr findet so der „GEO-Tag der Artenvielfalt“ am 11. Juni statt. Vom 2. bis 4. September fahren mehrere Jugendgruppen aus den Kreisen Gießen und Lahn-Dill zu einem gemeinsamen Zeltlager nach Ortenberg.

    Die weiteren Veranstaltungen des Kreisverbandes sind Gruppentreffen am 18 Juni Krofdorf, im September in Langgöns und im November in Grünberg. Einige Gruppen bieten zu den bundesweiten Veranstaltungen „Stunde der Gartenvögel“ vom 20-22. Mai, „Europäische Fledermausnacht“ am 27. August und „EuropeanBirdWatch“ am 1. und 2. Oktober eigene Termine an.

    Im Anschluß an die Versammlung berichtete Hartmut Mai über Aspekte aus der Naturschutzarbeit in Hessen.

    Zusammensetzung des Vorstandes 
     
     


  • PRESSEMITTEILUNG

    NABU-Kreisverband Gießen und Verein Sportangler Gießen u. Umgebung stellen gemeinsame Positionen fest
     

    In der Vergangenheit gab es immer wieder unterschiedliche Sichtweisen von Anglern und Naturschutz über verschiedene Themenbereiche, die sich mit den heimischen Fischbeständen und Gewässern befassen. Inhaltliche Konflikte wurden teilweise über die Presse ausgetragen. Um so etwas in Zukunft zu vermeiden und da es viele gemeinsame Standpunkte und Zielsetzungen gibt, trafen sich kürzlich Vertreter des VSA Gießen (Angelsportverein Gießen und Umgebung) und des NABU-Kreisverbandes Gießen, um die jeweiligen Positionen zu sondieren. Dabei konnte festgestellt werden, dass es mehr Gemeinsamkeiten als Konflikte gibt. Die gemeinsamen Standpunkte bestanden in:
    - Der VSA-Giessen vertritt gemeinsam mit dem NABU prinzipiell die Auffassung, dass die gesamte Pflanzen- und Tierwelt des Bereichs Lahnaue und angrenzender Gewässer ein schützenswertes Gut darstellen.
    - Die Gewässer sind durch Freizeitnutzung übermäßig stark belastet. Das betrifft insbesondere die Lahn und Seen der Lahnaue bei Heuchelheim, Atzbach und Dutenhofen. Die Lahn betreffend werden Ruhe- und Brutzonen von Fischen, wie z.B. Kiesbänke, trotz bestehenden Uferbetretungsverbotes durch das Auenschutzprogramm massiv gestört. Die Anzahl von Bootsfahrern sollte in einem naturverträglichen Maß beschränkt werden. Flach fließende Bereiche, wie der Lahnabschnitt von Roth bis zur Badenburg, sind besonders gefährdet und sollten aus dem Bootsverkehr ganz herausgenommen werden. Dieses ist um so gravierender, da die gefährdeten Fischarten gerade an solche Fließgewässerabschnitte gebunden sind. Auch sensible Bereiche der Stillgewässer sollten besser geschützt werden. So sollte der Gewässerkörper im Bereich NSG Westspitze Dutenhofener See wieder durch eine Leine abgesperrt werden, da sich der Bootsverkehr nicht an die NSG-Abgrenzung hält.
    - Die heimischen Gewässer sind teilweise nicht als naturnah zu bezeichnen. Trotz Anstrengungen vonseiten der Angler im Naturschutz und der Verbände im Naturschutz und einigen sehr positiven Ansätzen in den letzten Jahren (bspw. Reservierung von Teilen der Lahnaue für den Naturschutz, Renaturierung von Fließgewässern in Teilbereichen im Raum Wettenberg) gibt es hochgradigen Verbau und eine noch nicht zufriedenstellende Wasserqualität. Fischtreppen des gesamten Lahnbereiches funktionieren häufig nicht. Damit ist ein ungehindertes Wandern von Fischen nicht möglich.
    - Um die Situation für die heimischen Fischarten zu verbessern, kann es punktuell sinnvoll sein, durch strukturelle Maßnahmen im Uferbereich Fischen Rückzugs- und Fluchtmöglichkeiten zu bieten. Damit können zusätzliche Fluchtmöglichkeiten geschaffen werden, v.a. in Bereichen, die solche Möglichkeiten nicht bieten (freier Uferabfall, frei zugängliche Uferbereiche)
    - Kläranlagen sollten optimal arbeiten. Regelmäßige Wartungsarbeiten sind dazu erforderlich. Sie sollten auch bei Kapazitätserhöhungen (Zuschaltung neuer Baugebiete oder Industrieareale) entsprechend erweitert werden. Diese Dinge dürfen nicht Sparzwängen zum Opfer fallen oder in unzumutbarer Weise zeitlich nach hinten verschoben werden.
    - Die Angler legen sich bereits seit Jahren eine Selbstbeschränkung auf, wie viel und wo gefangen wird. Dazu wird ein naturverträgliches Nutzungskonzept durch bestehende Hegegemeinschaften erstellt. Besatzmaßnahmen geschehen grundsätzlich nur mit einheimischen Fischarten.

     

    In folgenden Punkten konnte keine Übereinstimmung gefunden werden:
    - Der Angelsportverein Gießen steht auf dem Standpunkt, dass eine Bedrohung einheimischer standorttreuer (autochthoner) Fischarten durch den Kormoran gegeben ist. Der Verein stellt fest, dass eine Reduzierung des Bestandes notwendig ist, der aber im Rahmen der gesetzlich auferlegten Verantwortung und Möglichkeiten zur Hege der Fischbestände und im Rahmen des Kormoranerlasses der Landesregierung. Aus Sicht der Angler sind die Bestände der Kormorane im heimischen Raum besonders hoch, wesentlich größere Gewässer wie Rhein und Main verkraften entsprechend hohe Individuenzahlen besser als die vergleichsweise kleine Lahnaue. Der VSA hält den hohen bestand für eine Folge von eine Summe von Eingriffen in der Kulturlandschaft. Unstrittig ist es seit ca.1996 im heimischen Raum zu einem Anstieg der Kormoranpopulation gekommen. Dieser stagniert allerdings seit 3 Jahren auf hohem Niveau. Der NABU-Kreisverband Gießen lehnt jegliche Bejagung des Kormorans ab. Der Kormoran ist Teil der natürlichen Fauna. Er ist seit dem 15. Jahrhundert nachweislich immer bejagt worden, sodass bisher keiner den „natürlichen“ Bestand dieser Art kannte. Dieser zeigt sich jetzt erst im Zuge des Schutzes. Die Behauptung, es handele sich nicht um eine einheimische Vogelart kann wiederlegt werden. Allerdings sind die hohen Zahlen von Herbst bis Frühjahr vor allem durch Überwinterer aus dem Bereich der Nord- und Ostsee bedingt, wie Ringablesungen zeigen. Im Rahmen der globalen Verantwortung auch für Zugvögel sieht der NABU auch für diese Individuen ein notwendiges Schutzziel. Falls Kormorane wirtschaftliche Schäden anrichten, z.B. bei professionellen Fischzüchtern, gibt es andere Möglichkeiten den Kormoran von den Gewässern fernzuhalten (Bsp. Überspannen der Wasserkörper mit Netzen.) Untersuchungen haben gezeigt, dass der Abschuss weniger Individuen nichts bringt.
     

    Einig sind sich Angelsportverein und der NABU wiederum darin, dass ökologisch intakte Gewässer auch mit dem „Problem“ Kormoran zurechtkämen. In dieser Richtung wollen beide Verbände in Zukunft gemeinsam arbeiten, um die Situation an den einheimischen Gewässern zu verbessern. Dann stellt sich das „Problem Kormoran“ nicht mehr. 
     

    Kormoran: Interessantes Projekt aus Baden-Württemberg.
     

     

    Version: Winter 2003 - Letzte Aktualisierung: 25.4.05