Juni-Specht 2002





                                        

       Specht 2/2002

                      Informationsblätter des

             NABU Kreisverbandes Gießen 

          und des

               Kreisbeauftragten für Vogelschutz

 

   


                           


 

Beauftragter für Vogelschutz

der

Staatlichen Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland

für den

Landkreis  Gießen 

(Alfred Görlach, Pohlheim)

_______________________________________________________________________

„Rote Listen“ im Vergleich

 August Römer, ein ehemaliger Konservator am naturhistorischen Museum in Wiesbaden gab 1863 eine 76-seitige Veröffentlichung heraus unter dem Titel

 

„Verzeichnis der Säugethiere und Vögel des Herzogthums Nassau, insbesondere der Umgebung von Wiesbaden“.

 

Teile dieses Verzeichnisses sind in der Zeitschrift „Lebensraum“(Nr. 2/2002) der Hess. Naturlandstiftung veröffentlicht worden.

Interessant hierbei sind Auszüge der Liste über die Säugetiere und Vögel von August Römer von 1863 und 1880 die nachfolgend zum Vergleich zur Kenntnis gegeben werden.

Deutlich wird hier neben den fachlichen Daten vor allem die Tatsache, dass nur die Erfassung von Zahlen über die jeweils aktuelle Situation der Tierarten, insb. Der Vogelarten, Fakten für Diskussionsgrundlagen schafft.

 

 

S ä u g e t i e r e :

Feldhase

(Allgemein verbreitet)  

Wildkaninchen

(In den Sandfeldern bei Mainz, in den Feldern und Weinbergen bei Hochheim, Erbenheim, Wiesbaden, in den Wintern auch in die Gärten kommend)  

Feldhamster

(In den Getreidefeldern der Rhein-Main-Ebene, Bestand stark schwankend, in manchen Jahren häufig, in anderen nur vereinzelt)  

Wolf

(Nicht mehr heimisch, kommt in kalten Wintern über den zugefrorenen Rhein, der letzte wurde im Winter 1840/41 in Eschbach bei Usingen geschossen, vorher wurde je ein Wolf bei der Platte (Wiesbaden) und bei Idstein geschossen)

  Fuchs

(Überall in den Waldungen heimisch)  

Baummarder

(Im Taunus vereinzelt vorkommend)  

Steinmarder

(In Städten, Dörfer, Scheunen usw. überall vorkommend)

  Fischotter

(An Flüssen und Bächen vorkommend, doch merklich seltener werdend, z.B. am Main bei Hochheim, am Salzbach bei Wiesbaden, am Rhein bei Eltville, 1879 ist ein Weibchen von Schiffern bei Schierstein im Rhein gefangen worden)

  Dachs

(Vereinzelt vorkommend, Wiesbaden, Kloppenheim, Igstadt usw.)

  Iltis

(Allgemein verbreitet)

   

Hermelin

(Im ganzen Gebiet verbreitet)

  Mauswiesel

(Im ganzen Gebiet verbreitet)

  Wildkatze

(In den Taunuswaldungen nicht selten, geschossen bei der Platte, bei Breckenheim und Fischbach)

  Schwarzwild

(Kommt außer im Park bei der Platte nicht mehr im Untersuchungsgebiet vor)

  Rotwild

(In den Waldungen des Taunus, besonders bei der Platte, wurde schon damals gehegt, zuweilen 16-18 Ender von 3-4 Zentnern)  

Rehwild

(In den Waldungen des Taunus allgemein verbreitet)

   

V ö g e l :

  Weißstorch

(vereinzelt in den Städten und Dörfern des Rhein- und Maintales)

  Schwarzstorch

(selten (Chausseehaus Wiesbaden), ein Exemplar 1866 bei Königstein geschossen)

  Steinadler

(selten, 1849 bei der Platte geschossen)

  Seeadler

(Selten, Schierstein, Biebrich, Weilmünster)

  Fischadler
(vereinzelt, Eltville, Hochheim)

       

Auerwild

(Im Taunus selten, Bleidenstadt, Chausseehaus)

  Birkwild

(Im Taunus häufig, Usingen, Ober Ursel)  

Haselwild
(Sehr vereinzelt vorkommend, Schwalbach, Chausseehaus)

  Rebhuhn

(kommt auf geeigneten Flächen häufig vor)

  Wachtel

(Bestand stark schwankend)

  Wachtelkönig

(In den Wiesentälern des Taunus vereinzelt vorkommend, häufig bei Erbenheim, Kloppenheim)

  Großtrappe

(Häufig bei Hochheim, je ein Exemplar erlegt, 1871 bei Delkenheim, 1872 bei Erbenheim, 1875 bei Bierstadt)

  Waldschnepfe

(Vereinzelt bis häufig)

  Uhu

(Vereinzelt Standvogel, 1973 Wehen, Eppstein).

 

....................................

Anm.:

 

Bei diesen Daten mit heutigen Vergleichen wird deutlich, dass durch menschliche Einflüsse zahlreiche Arten – nicht nur im Wiesbadener Raum – ausgestorben sind. 1970 wurde als neue Art Muffelwild ausgewildert, das aber durch hohe Verbiß- und Schälschäden bereits 1999 komplett abgeschossen werden sollte.

Im gleichen Raum sind inzwischen folgende Arten zugewandert: Waschbär, Marderhund, Türkentaube, Kanada-, Nilgans und Halsbandsittich.

 

 

 

 

Aufruf zur Mitarbeit zur Meldung von Rote-Liste-Arten in Streuobstwiesen

(az). Von der hessischen Landesregierung ist geplant, den Schutz von sogenannten §23er-Biotopen (das dins Landschaftsbestandteile, die nach §23 BnatG besonders geschützt sind) aufzuweichen. Hierzu gehören Streuobstwiesen. Damit wäre der großflächigen Ausweisung dieser Bereiche als Baugebiete Vorschub geleistet. Es sollen nur noch Streuobstwiesen geschützt sein, auf denen nachweislich Rote-Liste-Arten vorkommen. Dieses dürfte auf den meisten intakten Flächen der Fall sein. Gleichwohl reicht eine pauschalisierende Feststellung nicht. Von daher sind wir alle gefordert unsere Streuobstflächen vor Ort daraufhin zu untersuchen, ob du welche Arten dort vorkommen. Diese Rote-Liste-Arten sollten Sie dokumentieren und einem der Kreisvorstandsmitglieder melden. Wir sammeln diese, um sie dann bei einer noch anstehenden Kartierung einflieen zu lassen. Relevante Rote-Liste-Arten in Streuobstbereichen sind: Steinkauz, Grünspecht, Braunkehlchen, Kleinspecht, Kuckuck, Neuntöter, Gartenrotschwanz, Wendehals. Natürlich sind ebenso Rote-Liste-Arten aus anderen Tier- und Pflanzengruppen relevant, wie z. B.: Feldspitzmaus, Igel, Siebenschläfer, Haselmaus, Abendsegler, Zwergfledermaus, Zauneidechse, Mauereidechse, sämtliche Molch-, Kröten- und Froscharten und die beiden Maculinea-Bläulingsarten.

 

Schwalben-Daten

Achim Zedler hat die vorliegenden Daten von Schwalben- und Mauerseglerzählungen aus den Jahren 1979 bis 2001 zusammengestellt (siehe Tabellen in diesem SPECHT). In den Listen sind noch viele Lücken, daher werden die Ortsgruppen darum gebeten, die fehlenden Zahlen noch nachzumelden (wenn nicht gezählt wurde bitte auch entspr. Mitteilung).

 

„2. Gleiberger Fledermausnacht“

Terminänderung: Die Veranstaltung im Rahmen der Europäischen Fledermausnacht findet vorraussichtlich am 16. August 2002 auf Burg Gleiberg statt.

 

Neuer Pressesprecher

Seit Ende 2001 arbeite ich im Kreisvorstand mit, meine Tätigkeit als Kreisverbands-Pressesprecher ist seit der Jahreshauptversammlung nun „offiziell“, daher möchte ich die Gelegenheit nutzen, mich an dieser Stelle kurz vorzustellen.

Ich bin 22 Jahre alt und studiere zur Zeit Agrarwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität in Gießen, was ich mir seit dem Schulpraktikum bei unserem kommunalen Umweltberater in der achten Klasse in den Kopf gesetzt habe. Vor meinem Studium habe ich Zivildienst in der NZH-Akademie in Wetzlar geleistet.

Ich bin schon so lange ich denken kann sehr naturbegeistert. Zum Glück gibt es noch mehr Menschen mit ähnlichen Interessen, so kam ich 1991 zur  Ortsgruppe Krofdorf-Gleiberg. in deren Vorstand ich seit 1997 bin.                           Da ich auch gerne schreibe habe ich bis vor zwei Jahren eine eigene Umweltzeitschrift herausgegeben, außerdem arbeite ich gelegentlich für die Gießener Tagespresse. Wer Interesse hat, kann meine Homepage besuchen: www.greentime-wettenberg.de.vu

Tim Mattern

 

 

Internet:

Auf der Homepage www.amphibienschutz.de wurde jetzt unter dem Menupunkt Veranstaltungen ein interaktiver Veranstaltungskalender eingerichtet. Über eine Eingabemaske besteht die Möglichkeit eigene herpetologische Veranstaltungen, wie Exkursionen, Vorträge, Tagungen, Seminare o.ä. in den Veranstaltungskalender einzutragen. Die Veranstaltungen werden in einer Datenbank gespeichert und zwei Tage nach dem Veranstaltungsende automatisch gelöscht. Es ist jederzeit eine Aktualisierung der Veranstaltungsinformationen möglich. Der Kalender stellt die Veranstaltungen zeitlich und nach Bundesländern sortiert dar. Dipl.-Hydr. Andreas Krone, Birkenallee 14, 16359 Biesenthal, e-mail: andreas_krone@t-online.de,  Internet: www.amphibienschutz.de

 

Unter www.vistaverde.de finden Sie tagesaktuelle Nachrichten zu Umwelt und Natur sowie ein Verzeichnis mit über 2.700 Web-Adressen aus dem Umwelt- und Naturschutz.

Schwache Vorstellung kostet Küken: Wenn ein Vogelmännchen einen Sangeswettstreit mit einem Geschlechtsgenossen austrägt, hört sein Weibchen aufmerksam zu und zieht ihre Schlüsse. Unterliegt ihr vermeintlich starker Partner im Wettstreit, zeigen die Vogeldamen einen ausgeprägten Hang zu Seitensprüngen.

http://www.vistaverde.de/news/Natur/0205/03_vogelgesang.htm

Die Urmenschen stiegen nicht von den Bäumen herab: Die ersten Menschen krochen auf allen Vieren, bevor sie sich entschlossen, auf zwei Beinen zu gehen. Doch warum? Drei amerikanische Anthropologen überprüften jetzt alle Theorien, die das Wunder des aufrechten Gangs erklären sollen. http://www.vistaverde.de/news/Wissenschaft/0205/03_bipedie.htm

 

Rezensionen : http://www.birdnet.de/Rezensionen/rezensionen.htm

 

 

 

Zentrale für Wasservogelforschung und Feuchtgebietsschutz in Deutschland

c/o Förderverein für Wasservogelökologie und Feuchtgebietsschutz e.V.

Dorfstr. 34, D-14715 Buckow bei Nennhausen;

Die Auswertung für Hessen übernimmt:

Klaus Fiedler, Kantstraße 7, 63067 Offenbach

Bitte senden Sie die ausgefüllten Bögen an Herrn Fiedler oder die HGON Geschäftsstelle

 

                            Brutbestandserfassung             Höckerschwan 

(Cygnus olor)       

          in Deutschland                                       2002

Rücksendung bitte bis 15. September 2002

Bearbeiter

Name, Vorname:

 

Anschrift:

 

Tel., E-Mail:

 

 

Bearbeitetes Gebiet

Bundesland:

Name des Gewässers:

Kreis:

Art des Gewässers:

Größe des Gewässers (ha):

Wasserführung: ständig/zweitweise (Monate):

Von der Ortschaft                                                                                 .............. km in Richtung ..................   gelegen

 

Bestandsangaben

Zahl der anwesenden Revierpaare gesamt:

Zahl der Nichtbrüter (Maximal):

Zahl der anwesenden Brutpaare gesamt:

Zahl der jungeführenden Paare:

Zahl der geschlüpften Jungvögel ges.:

Zahl der flüggen Jungevögel ges.:

           davon weiß:

                   davon weiß:

Anzahl der Altvögel mit fleischfarben Füßen:

Ringablesungen:

Bestandsentwicklung seit 1990 (Zunahme, Abnahme, Neubesiedlung)

 

 


Zusammenstellen der einzelnen BP

Nr.

des BP

Eizahl des

Geleges

Zahl der

geschl. Juv.

Zahl der

flüggen Juv.

Davon

weiße Juv.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Handelt es sich bei den Schwänen des Gewässers um Wildvögel oder halbzahme Schwäne (geringe Scheu)? Angaben soweit möglich:


Bestandserfassung Nichtbrüter

Zähltermin

Anzahl

gesamt

Anzahl

Altvögel

Anzahl Vögel

 im 2. Kj.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verluste (Gelege, Altvögel, Jungvögel) und deren Ursachen:

 

 

 

 

Bemerkungen:

 


 

 

 

 

 

Hinweise zur Erfassung:

Für die Erfassung der Brutvorkommen sind keine festen Termine vorgesehen. es empfiehlt sich jedoch, bereits ab Anfang März die revierbesetzenden Paare festzustellen. Erfasst werden sollen möglichst alle Brutpaare, für führenden Familien und die Anzahl der grauen und weißen Jungvögel. Bei den Altvögeln sollte versucht werden, die Farbe der Füße festzustellen. Von besonderem Interesse ist die Feststellung von Gelegeverlusten und wenn bekannt, deren möglicher Ursache. Auf eine systematische Gelegesuche sollte jedoch verzichtet werden. neben den Angaben zu besetzten Gewässern sind Nullmeldungen ebenfalls von Interesse.

Die Zählung der während der Brutzeit anwesenden Nichtbrüter soll an 3 Terminen, jeweils Mitte Mai, Juni und Juli durchgeführt werden, wobei adulte Höckerschwäne, die nicht zu Brut geschritten sind, als auch immature Vögel im 2., Kalenderjahr erfasst werden sollen. Zur Nichtbrüter-Erfassung sollten dann auch die Gewässer ohne Brutvorkommen kontrolliert werden.

Bundesweite Haussperlings-Kartierung

 


Nach der gemeinsamen Kartierung des Haubentauchers 2001 führen der NABU und der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) eine bundesweite Probeflächenkartierung des Haussperlings durch.

Ziel ist es, die Kartierung von Haussperlingen auf über das gesamte Bundesgebiet verteilten Probeflächen durchzuführen, die möglichst viele verschiedene Siedlungstypen (vom Einzelgehöft bis zur Millionenstadt) unterschiedlichen Alters (Altbauzone bis Neubauzone) und Zustandes (baufällig bis frisch saniert) umfassen. Da der Haussperling im menschlichen Siedlungsbereich weit verbreitet und stellenweise auch noch recht häufig ist, scheidet eine vollständige Erfassung des gesamten Brutbestandes in Deutschland aus.

Mit den Ergebnissen dieser Erfassung sollen Informationen über die Lebensraumansprüche des Haussperlings sowie Häufigkeitsunterschiede in verschiedenen Regionen und Siedlungstypen gesammelt werden. Ferner lassen sich aus den Ergebnissen Hinweise auf Rückgangsursachen sowie Schutzbedürftigkeit und Schutzmöglichkeiten ableiten.

Auf regionaler Ebene sollten die Daten auch den Unteren Naturschutzbehörden in geeigneter Form mitgeteilt werden, damit eventuell erforderliche Schutzmaßnahmen eingeleitet (z. B. Ausgleich und Ersatz von verloren gegangenen Niststätten bei Sanierungsmaßnahmen) aber auch sonstige strukturelle Verbesserungen im Lebensraum festgelegt werden können.

Und so geht's:

1. Kartierungsgebiet festlegen und Probefläche beschreiben

Das Untersuchungsgebiet sollte möglichst einen homogenen Charakter haben und einem Lebensraumtyp (Dorf, städtische Wohnblockzone, Villenviertel etc.) zugeordnet werden können. Die Probefläche sollte bei Einzelhöfen, kleinen Dörfern und isolierten Landwirtschaftsbetrieben oder Gewerbegebieten die gesamte bebaute Fläche umfassen, in größeren Siedlungen möglichst bei 20-25 ha, mindestens bei 5-10 ha liegen. Auf gute Begehbarkeit bzw. Einsehbarkeit der gesamten Fläche (z.B. Innenhöfe) ist zu achten.

Es sollten nicht nur besonders gute Sperlingsgebiete als Probefläche ausgewählt werden, auch Probeflächen mit wenigen und keinen Sperlingen sind für die Auswertung interessant.

Bitte geben Sie eine genaue Beschreibung der Probefläche im Probeflächenbogen an, da gerade der Vergleich der Haussperlingsdichten mit den Eigenschaften des Lebensraumes die interessantesten und für den Schutz von Gebäudebrütern wichtigsten Ergebnisse erwarten lässt.

2. Anzahl der Begehungen und Kartierungszeitraum

Der Kartierungszeitraum umfasst die Monate März und April. In der Mitte beider Monate findet je eine flächendeckende Begehung der Gebiete statt, um den Brutbestand zu ermitteln. Wenn möglich, sollte eine weitere Begehung im Mai oder Juni durchgeführt werden, um anhand des Zuwachses an  Sperlingen den Bruterfolg abschätzen zu können.

3. Beobachten und Kartieren

Da Haussperlinge keine größeren Reviere verteidigen und auch nicht laut singen, sind sie mit einer gängigen Revierkartierung nicht gut zu erfassen. Es werden deswegen die Haussperlingsindividuen gezählt. Dabei sollten nach Möglichkeit die Geschlechter sowie Alt- und Jungvögel unterschieden werden.

Kartierer, die eine Siedlungsdichtererfassung nach den gängigen Richtlinien durchführen wollen, sollten ihre Ergebnisse in diese Auswertung einfließen lassen, müssen aber die von ihnen verwendete Methode genau beschreiben.

Kartierungsunterlagen:

Für jede Begehung wird eine Tageskarte benötigt (Maßstab 1:5.000 oder andere Kartengrundlage vergrößern), auf der die Begehungsdaten (Tag, Uhrzeit, Wetter, Bemerkungen, Störungen) vermerkt werden.

Kartierungszeit:

Die Begehungen der Probeflächen sollten nach Sonnenaufgang beginnen und spätestens bis 12 Uhr MESZ abgeschlossen sein. Wegen der größeren Ruhe und der damit höheren Wahrscheinlichkeit Haussperlinge zu hören, sind Wochenenden zu bevorzugen.

Die Verweildauer im Gebiet sollte bei 5-10 min/ha liegen (bei 10 ha max. 1 h + 40 rom.).

Was wird gezählt:

Bei jeder Begehung werden alle Kontakte mit Haussperlingen, wie Sichtbeobachtungen und Rufe, in die Tageskarte mit einer Anzahl eingetragen. Nach Möglichkeit werden Alter und Geschlecht der Vögel notiert. Im Zweifelsfalle bitte Immer als "nicht bestimmt" notieren. Am Ende einer Begehung werden alle Zahlen addiert und als Summe für die Tageserfassung in den Kartierungsbogen eingetragen. Alle Bereiche des Untersuchungsgebietes, die nicht einsehbar waren (verschlossenen Hinterhöfe, Gewerbebetriebe) werden auf der Begehungskarte gekennzeichnet.

Zusätzliche, für das Vorkommen des Haussperlings wichtige Fakten (bestimmte Nahrungsquellen, Gefährdungsursachen, Nistplätze) und das erste Beobachtungsdatum flügger Hausperlingsjunge sollten mit notiert werden.

Bitte tragen Sie die Parameter der Probeflächenbeschreibung und die Ergebnisse der 2-3 Begehungen so genau wie möglich im Erfassungsbogen ein. Schicken Sie Erfassungsbogen und Kopien Ihrer Tageskarten bitte bis Ende September 2002 an:

HGON, Lindenstr. 5, 61209 Echzell. Wir werten die Daten vorab aus und leiten sie an den NABU weiter.



Haussperling – Kartierung                                            Erfassungsbogen

 

Kartierer/Kartiererin

 

Name:................................................................. Vorname:................................................................................

 

 

DDA – Verband ..................................................................................................................................................

 

Anschrift

 

Telefon: .............................................................. E-Mail:...................................................................................

 

Probefläche

 

Name der Probefläche.........................................................................................................................................

 

Ort ..................................................................... Bundesland:............................................................................

 

Probeflächegröße................................................. Landkreis................................................................................

 

 

Siedlungstyp (zutreffendes ankreuzen)

Einzelhof                           Dorf (landwirtschaftlich geprägt)            Dorf (überwiegend Wohnnutzung

Stadt                                Kleinstadt (bis 20.000 Einwohner         Großstadt (ab 500.000 Einwohner)

Industriegebiet                   Landwirtschaftliche Anlage                  Sonstiges............................................

 

Bebauungstyp (in Städten; zutreffendes ankreuzen):

City             Wohnblockzone, neu            Wohnblockzone, alt         Einfamilienhausbereich

 

Etagenzahl der Mehrzahl der Gebäude der Probefläche (zutreffendes ankreuzen)

1 - 2                                 3 - 5                                                  > 5

 

Durchschnittliches Gebäudealter der Probefläche (zutreffendes ankreuzen)

> 50 Jahre                         5 - 50 Jahre                                        < 5 Jahre

 

Sanierungszustand der Mehrzahl der Gebäude (zutreffendes ankreuzen)

Sanierung vermutlich länger als 10 Jahre her            Sanierung vermutlich im Laufe der letzten 10 Jahre

 

In oder in der Nähe der Probefläche befinden sich folgende Nahrungsquellen (zutreffendes ankreuzen)

Kleintierhaltung                           sonstige Tierhaltung                  Grünanlagen

Äcker                                         Getreidelager                            Schulhöfe/Kiosk

Imbissstände/restarantgärten        Futterstellen                             Großmärkte

sonstiges................................................................................................................................................................

 

Einsenden an HGON Echzell, Lindenstr. 5, 61209 Echzell; wir leiten die Bögen dann weiter an den NABU Deutschland

 


In oder in der Nähe der Probefläche werden folgende Nahrungsquellen vom Haussperling genutzt (zutreffendes ankreuzen):

 

Kleintierhaltung (z.B. Hühner)       sonstige Tierhaltung                  Grünanlagen

Äcker                                         Getreidelager                            Schulhöfe/Kitas

Imbissstände/Restaurantgärten     Futterstellen                             Großmärkte

 

sonstiges: .........................................................................................................................................................

 

In den Probeflächen befinden sich folgende potenzielle Haussperlings-Nistplätze (zutreffendes ankreuzen):

 

Nischen in Gebäuden               Nistkästen                              Mehlschwalbennester

Storchennester                         sonstige:..............................................................................

 

In der Probeflächen werden folgende Nistplätze vom Haussperling genutzt (zutreffendes ankreuzen):

 

Nischen in Gebäuden               Nistkästen                              Mehlschwalbennester

Freibruten                                 sonstige:.............................................................................

 

Gibt es konkrete Gefährdungen des Haussperlingsbestandes in der Probefläche:

 

.........................................................................................................................................................................

 

 

Bemerkungen; ...................................................................................................................................................

 

 

Haussperlingskartierung-Ergebnisse

 

Probefläche:.......................................................................................................................................................

 

 

erste Begehung Mitte März

zweite Begehung Mitte April

dritte Begehung Mai/Juni

(fakultativ)

Datum

 

 

 

Anzahl Haussperlinge gesamt

 

 

 

Anzahl

geschlechtsbestimmter Haussperlinge

 

 

 

davon Männchen

 

 

 

davon Weibchen

 

 

 

Anzahl

altersbestimmter Haussperlinge

 

 

 

davon Altvögel

 

 

 

davon Jungvögel

 

 

 

Bemerkungen

 

 

 

 

Wiesenbrüter – Kartierung in Hessen 2002

 

In diesem Jahr soll nach der umfangreich Kartierung in 1994 und 1995 wieder die echten Wiesenbrüter erfaßt werden. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf Wachtelkönig, Bekassine, Kiebitz, Wiesenpieper und Braunkehlchen. Alle weiteren typischen Wiesenbrüter, wie Wiesenweihe, Gr. Brachvogel, Uferschnepfe, Tüpfelsumpfhuhn, Schafstelze usw. sollen ebenfalls erfaßt werden. Beim Kiebitz aber bitte auch unbedingt auch alle Ackerbrüter erfassen!!

Die nachfolgenden Hinweise auf Methoden, Bewertung von Vorkommen und Ergebnisdarstellung beziehen sich auf umfangreiche Untersuchungen von klar abgegrenzten Räumen, die in ausreichender Exkursionszahl (6 – 10) erfaßt worden. Wenn Übersichtskartierungen von ansonsten kaum aufgesuchten Räumen erfolgen (z.B. Braunkehlchen - Erfassung im gesamten Westerwaldbereich) reichen auch weniger, minimal 2 Exkursionen zum richtigen Zeitpunkt aus. Diese besten Erfassungstermine sind in Tab. 2 aufgeführt. Für die Einstufung Brutverdacht (Status A + B), Revierpaar (C) und Brutpaar (D):

 

A (Brutzeitbeobachtung)

 

B (zur Brutzeit im Habitat)

Der Vogel wurde einmalig im Bruthabitat gesehen

B (sM)

singendes Männchen

B (Rev.-Anzeige)

Revieranzeige, wie z.B. Singflug Wiesenpieper

C (M.+W. zur BZ im Habitat)

Paar zur Brutzeit im Habitat beobachtet

C (Paar balzend)

ein Paar balzend beobachtet

C (Kopula)

Kopula beobachtet

C (Besuch vmtl. Nistplatz)

Besuch eines vermutlichen Nistplatzes beobachtet

C (nach Verhalten Brut)

Erregtes Verhalten oder Angstlaute von Altvögeln

C (Nestbau)

Beim Nestmuldendrehen oder Nestbau beobachtet

D (Verleiten)

Ablenkungsverhalten oder Verleiten beobachtet

D (Nest)

Nestfund

D (Eischalen)

frische Eischalen gefunden

D (Gelege)

Nest mit Eiern

D (Brut sicher)

Ad. bei An/Abflug vom Nestplatz oder beim Brüten beobachtet, wobei die Umstände auf eine Brut schließen lassen

D (Nestjuv.)

Nest mit Jungen

 

Da wir Ihnen sicherlich nicht sagen müssen, wo und wie Sie die Arten zu erfassen haben, hier nur der Hinweis auf die besten Erfassungszeiten, wenn nur zwei bis drei Exkursionen in bestimmte Gebiete möglich sind:

 

Art

Beste Erfassungsform

Wiesenweihe

im Mai Morgens Kontrollen von ruhenden Männchen in Nestnähe oder von beutetragenden Männchen im Mai und Juni. Bettelnde Juv. im Juli

Wachtelkönig

nächtliche Kontrollen im Mai, in möglichen Brutgebieten Kontrollen auf Rufe von Weibchen und Jungen am Morgen bis in den August

Tüpfelsumpfhuhn

Balzrufe von Mitte April bis Anfang Mai

Kiebitz und

Gr. Brachvogel

balzende Paare im März, brütende Weibchen im April, Küken ab Mai 

Uferschnepfe

balzende Paare ab Anfang April, warnende Tiere ab Mitte Mai

Bekassine

Balzflüge und Tücke Rufe ab Anfang April, besonders Morgens und in der Dämmerung

Wiesenpieper

Singflüge ab Anfang April, warnende Tiere ab Mitte Mai, Zweitbrut im Juli

Schafstelze

Singende Männchen ab Mitte April, warnende und fütternde Paare ab Ende Mai

Braunkehlchen

Paare im Bruthabitat Anfang Mai, Männchen singenden, warnende und fütternde Tiere ab 20. Mai.

 

 

Kartierungsbogen zur Erfassung der Wiesenbrüter in Hessen 2002

 

Bitte füllen Sie pro Gebiet einen Bogen aus. Wenn möglich bitte Meldung in NATIS eingeben und als Datei abgegeben

 

----------------Vorname----------------, ----------------Nachname----------------, -------------------Straße---------------------,                                                                    -Postleitzahl-, -----------------Ort-----------------,------------Telefonnummer------------, --------------Email-Adresse--------------.

--------------Name des Gebiets--------------, ------------nächste Ortschaft oder Gemarkung------------, ---------------Kreis----------,

wahlweise:---TK-Blatt Viertel und Sechszehntel---, oder -------GKK rechts3-------, -------GKK hoch5-------,-----Unschärfe----,-,

-----Schutzstatus-----, -----Untersuchungsfläche in ha-----, ------------Gefährdung------------, -------Mahdtermine---------,       

 

Überschwemmungsgebiet     ja----nein   ankreuzen

Vegetations-/Nutzungstypen geschätzt in %                      

Günland

 

naß

feucht

mittel

trocken

Wiese

 

 

 

 

 

Brache

 

 

 

 

 

Grasacker

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ackerland

 

 

 

 

 

Getreide

 

 

 

 

 

Mais

 

 

 

 

 

Hackfrüchte

 

 

 

 

 

Brache

 

 

 

 

 

sonstiges

 

 

 

 

 

 


Haussperlingszählungen

im Kreis Gießen

(tma) Leider liegen kaum Meldungen über Zählungen von Haussperlingen vor.

Rodheim: Bei einer Begehung am 4. April wurden 73 singende Männchen auf 95ha gezählt geschätzt werden 8,5 Brutreviere pro Hektar bzw. 90 im gesamten Ort.

Odenhausen: Auf der Probefläche von 8ha wurden am 24. März 34 und am 1. Mai 19 Brutreviere festgestellt. Das ergibt 32,5 BR pro 10ha, geschätzt werden 50 BR im Ort (36,9ha), da fast alle Brutplätze im alten Ortskern liegen. In den  Neubaugebieten wurden keine Brutplätze festgestellt, die Aussiedlerhöfe wurden nicht in die Untersuchung einbezogen.

Krofdorf-Gleiberg:  Das reich strukturierte Untersuchungsgebiet umfasst 4,5ha. Am 16. März wurden 36, am 6. April 20 und am 20. April 23 BR festgestellt. Die Werte liegen wahrscheinlich wegen der ungünstigen Witterungsverhältnisse bei den letzten beiden Zählungen so stark auseinander: Im Mittel ergibt das 26 Brutreviere im gesamten Untersuchungsgebiet, oder 5,8 pro Hektar. Zum Vergleich: In 1996 wurden im Mittel 39 singende Männchen festgestellt, bzw. 8,7 pro Hektar; 1999 wurden nur 27 BR im Untersuchungsgebiet bzw. 6,0 BR pro Hektar ermittelt. Die Hochrechnung auf die gesamte Siedlungsfläche von Krofdorf-Gleiberg (ca. 150 ha) ergibt mit Vorbehalt versucht werden für 2002 mit 400 bis 700 BR so viel wie in 1999, drei Jahre zuvor waren es 600 bis 1000 BR.  Daneben wurden während der drei Begehungen 36 andere Vogelarten festgestellt.

 

 

Birdnet:

Hallo ans GBN.

Beim stöbern in meinen alten Büchern, ist mir ein  Schulbuch mit folgendem Artikel über den Sperling in die Hände gefallen:

Der Sperling oder Spatz

Ein unbeliebter Gast im Garten.

Jedermann in Stadt und Land kennt den grauen Gassenjungen. Er stört uns durch sein unerträgliches „Tschilp, tschilp“; überall drängt er sich vor. Dort frisst er mit dem Pferde, hier mischt er sich unter das Hühnervolk und stiehlt Korn um Korn. In großer Gesellschaft überfällt er das reifende Getreidefeld und entleert die hren; die Blütenknospen der Obstbäume sind nicht sicher vor ihm, und im Gemüsegarten zieht er die keimenden Pflänzchen aus dem Boden. Wenn er auf seinen „Diebesgängen“ auch hier und dort einige Unkrautsamen vertilgt, so kann dies den großen Schaden, den er anrichtet, nicht gutmachen. Die Anordnungen, die zu seiner Bekämpfung getroffen werden, sind berechtigt.

Wie er gegen Ausrottung geschützt ist

Es braucht nicht befürchtet zu werden, das der Spatz ausgerottet wird. Er ist ein schlauer, verschlagener Bursche und versteht es, sich überall anzupassen. In der Stadt, wo er geduldet wird, ist er zutraulich, keck; auf dem Lande dagegen bleibt er vorsichtig, scheu. Er weiß jedoch auch hier recht bald die Vogelscheuche von einem lebenden Wesen zu unterscheiden. Frech benutzt er sie als Ruhesitz, ja die Taschen wählt er sogar als Nistplatz. Bei dem Suchen nach einer Wohnung ist er nicht wählerisch. Mauerlücken, Steinhöhlen, Baumlöcher, Starenkästen, leere Schwalbennester, alles passt ihm. Das Nest selbst ist ein flüchtig zusammengetragener Haufen von Stroh, Wolle, Haar, Papier, Heu, Doch soll es 3 oder 4 Brut als Wiege dienen. Die 5-6 bläulichweißen, punktierten Eier werden abwechselnd vom Männchen und vom Weibchen bebrütet. Die Jungen sind Nesthocker, aber in kurzer Zeit flügge.> Ein Artikel aus

Sachkunde für Volksschulen, Naturgeschichte, Hirschgraben-Verlag –Frankfurt-1951; Regierungsdirektor i.R. K. Hellwig

Wie sich die Zeiten ändern.

Gruß von Rainer Jührs

 

 

 

Von Kühen und Spatzen

Beobachtung der Vogelwelt auf einem Milchvieh-Betrieb bei Gießen in Februar und März

(tma) Welche Vögel trifft man im Vorfrühling auf einem Bauernhof? Natürlich eine ganze Menge, allen voran der Vogel des Jahres 2002, der Haussperling. Die Spatzen leben zwischen den Kühen und Kälbern wie im Schlaraffenland: Aus dem Heu, Stroh und der Grassilage picken sie heruntergefallene Samenkörner. Die offenen Eimer mit Maisschrot und Eiweißfutter verachten sie natürlich auch nicht. Staubige Stellen und Wasserpfützen bieten Platz für ausgedehnte Bäder – natürlich immer grüppchenweise. Nähert sich Gefahr, also ein Mensch oder eine Katze, sind die Spatzen mit wenigen Flügelschlägen unter dem Stalldach in Sicherheit. Hier bauen sie auch ihre Nester, die passen ganz prima in Ecken zwischen Dachbalken oder in Höhlungen, die sie in die Isolierung gepickt haben.

Amseln leben dagegen etwas gefährlicher. Laut Erzählung des Landwirtes bauen sie ihre Nester zu tief in Gebüsche und Nischen, so daß sie öfter den Katzen zum Opfer fallen als die Spatzen. Dennoch brauchen sie auf der Suche nach Nahrung nicht allzuweit zu fliegen. Gerade früh morgens und nachmittags kann man die eine oder andere Amsel beobachten, die aus einem der Näpfe für Hunde und Katzen Milch trinkt, oder an Fleischresten pickt.

Der aufgedeckte Teil eines Maissilos ist Anziehungspunkt für Stare und Ringeltauben, auch eine Türkentaube konnte ich einmal sichten. Im Beobachtungszeitraum hielten sich ständig etwa 50 Stare und 10 Ringeltauben in der Nähe auf, wo sie in Obstbäumen ruhten. Natürlich waren auch Goldammern (Erstgesang am 4. März) und Grünfinken hin und wieder zu sehen. Ein Mäusebussard verbrachte die Nächte auf einem Weidepfahl. Seltener am Silo zu sehen waren Rabenkrähen und Elstern. Diese schritten lieber umliegende Äcker und Grünland ab, aber auch sie stiebitzten Fleischreste von den Katzen oder pickten an der Nachgeburt einer Kuh.

Am 20. Februar begannen drei Feldlerchen um den Hof herum aus voller Kehle zu singen, selbst in trüben Morgenstunden waren sie nicht davon abzuhalten. Am 26. Februar traf eine Bachstelze auf dem Hof ein. Der kleine Wippschwanz war aber scheuer als Spatzen und Amseln, so daß ich ich immer nur wegfliegen sah. In den nächsten Wochen trafen immer mehr davon ein. Am 5. März schloss sich dann auch ein Buchfink den Gesängen von Kohl- und Blaumeise an. Am 27. Februar und am 7. März konnte ich außerdem 130 bzw. 50 Kraniche auf dem Weg nach Osten beobachten. Beide Trupps schraubten sich direkt über dem Hof in die Höhe, um dann erneut die charakteristische Formation zu bilden. Am 16. März sah hörte ich zunächst wegen der tiefstehenden Sonne einige Kraniche nur. Als ich sie sehen konnte, waren es nur vier in niedriger Höhe, die aus dem Lahntal heraufkamen. Ihnen folgten weitere drei Kraniche, und nocheinmal drei stießen aus einer anderen Richtung dazu. Auch diese Gruppe formierte sich direkt über dem Hof und flog davon.

Am 15. März wurde ich durch das Geräusch von Flügelschlägen auf zwei Graugänse (vermutlich) aufmerksam, die im Tiefflug die Gebäude umkreisten. Nach drei Runden, die sie um den Hof drehten, verlor ich sie aus den Augen.

Zwar nicht auf dem Gehöft, aber in der Feldgemarkung konnte ich am 21. März ein Paar Kiebitze beim Balzflug beobachten. Am 25. März waren wir zu dritt in der Lahnaue, um Treibgut von den Wiesen zu sammeln. So konnten wir aus der Nähe 14 Nilgänse und 2 Streifengänse beobachten. Außerdem erzählte der Vater des Landwirts, daß sich im Frühjahr 2000 zwei Nilgänse einige Wochen am Hof aufhielten. Durch den Neubau einer Maschinenhalle sei ein kleines Wasserloch vor dem Küchenfenster entstanden, von wo aus man die beiden Vögel beobachten konnte.

Hin und wieder waren auch vereinzelte Rotmilane zu sehen. Am 30. März kreisten gleich fünf Gabelweihen über einem Acker, sie waren wohl auch auf der Durchreise. Seit dem gleichen Tag bis nach Ostern balzte ein Pärchen Turmfalken auf dem Dach der Maschinenhalle. Am 3. April konnten wir beim Frühstück sogar eine Kopulation beobachten.

Nicht fehlen dürfen auf einem Hof natürlich die Rauchschwalben, die dem Landwirt weitaus willkommener sind als die Spatzen. Die ersten zwei Schwalben trafen am 3. April ein. In einer Ecke im Stall saßen sie auf einem Kabelkanal, den sie sicher als Nestunterlage verwenden werden. Der Senior kolpft im Herbst die alten Nester immer herunter, damit sich die Milben nicht so sehr vermehren. Aber die Rauchschwalben finden ausreichend Baumaterial für neue Nester auf dem Hof. Mehlschwalben finden sich auf dem Aussiedlerhof leider keine.

Ein Schlepper eröffnet natürlich auch ganz neue Persektiven zur Vogelbeobachtung, wenn man nebenher ein auge auf diese Tiere hat. Die Fluchtdistanz ist zu einem über Acker oder Wiese fahrenden Schlepper relativ gering, wie es aussieht, wenn man damit stehenbleibt habe ich nicht ausprobiert. Nicht nur Rabenkrähen kann man aus der Nähe beobachten, auch Bachstelzen und Stare suchen hinter der Wiesenschleppe nach Nahrung. Beim Schleppen in Krumbach Anfang April konnte ich außerdem zwei Gebirgsstelzen sehen, und drei Bachstelzen, die in der Luft einen Rotmilan angehaßt haben. Auf der Rückfahrt durch das Rodheim/ Kinzenbacher Feld sah ich außerdem, wie ein Kiebitz eine Rohrweihe verscheuchte.

Außer Vögeln gibt es natürlich noch anders „Getier“ zu sehen. Auf der Hinfahrt zum Hof habe ich ein paarmal einen Feldhasen und einen Fuchs gesehen. An manchen Abenden waren Fledermäuse um die Scheune unterwegs, wahrscheinlich Zwergfledermäuse. Ein paar Erdkröten waren auch abends und morgens in der Dämmerung unterwegs.

 

 

 

Ameisenschutz-Seminar des DBV-Kreisverbandes Gießen

Aus der DBV-Zeitschrift „Wir und die Vögel“ Heft 4/1980

(Günter Andreas, Langgöns). Der Waldameisenschutz ist wichtiger Bestandteil für die Erhaltung und Schaffung eines gesunden Waldes. Aus dieser Überzeugung heraus hatte der DBV-Kreisverband Gießen am 15. März zum wiederholten Male zu einem Ameisenschutzseminar geladen. Zu den Ausführungen von Forstamtsrat Ruppertshofen aus Mölln, der gleichzeitig Vorstandsmitglied der Ameisen- schutzwarte in Würzburg ist, und einer Besichtigungstour durch den Wald hatten sich zahlreiche Teilnehmer eingefunden. Der Referent erklärte, dass nur ein naturnaher Wald mit allen Pflanzen- und Tiergemeinschaften die Voraussetzung für eine gesunde Umwelt ergeben.  Die Kombination von Vogel-, Ameisen-, Spinnen- und Fledermausschutz mit der Rückführung der Bienen in den Wald sei Grundlage für das ökologische Gleichgewicht. Mit diesen Maßnahmen könne ein gesunder Wald geschaffen werden, ohne dass Herbizide und Pestizide verwendet würden. Die Veranstaltung in Gießen soll zur Gründung eines Landesverbandes Hessen der Ameisenschutzwarte Würzburg führen.

Anmerkung der Redaktion: Tatsächlich stand die Wiege der Ameisenschutzwarte Hessen im Kreis Gießen, genauer gesagt in Langgöns, wo die Gründung im Oktober 1980 erfolgte.

 

 

 

Was ist ein Biotopverbund? 

(Hermann Hoßbach). Ein Biotop ist ein abgeschlossener Lebensraum für viele die dem Raum entsprechende Lebewesen, Tiere und Pflanzen. Ein für sich abgeschlossenes Feldgehölz, wie das Nebentalwäldchen oder eine in sich abgeschlossene Wiese ist ein Biotop. Damit in diesem Gebiet keine Inzucht und einseitige Lebensform von Pflanzen und Tieren und Insekten entsteht, versucht man diese Gebiete miteinander zu verbinden in Form von Gehölzstreifen. Ein Biotopverbund ist nichts anderes  als die früheren Schutzhecken, nur daß sie miteinander verbunden sind. Eine Bepflanzung von der Zechweide bis zum Nebental wäre ein Biotopverbund. Der Lindbach ist ein Biotopverbund vom Kleebach bis über die Zechweide hinaus an dem Weg zum Flugplatz. Was bei der letzten Flurbereinigung versäumt wurde wird heute von Brüssel aus gefordert. Es sollen bis zu 10% des Landes für Biotopvernetzung bereitgestellt werden. Diese Forderung lässt sich da wo sie am Nötigsten ist , am Schwierigsten durchführen. Auf minderwertigen Feldflächen  mit Hängen, Bächen und Gräben sind solche Verbindungen naturgegeben. Aber in den großflächigen Feldgemarkungen, mit den großen, ebenen Ackerflächen, wo keine besonderen Gräben für Entwässerung nötig sind, stößt man auf Schwierigkeiten, obwohl hier Schutzhecken am Nötigsten wären. Besonders schwierig wird es, eine Hecke am Kopfende eines Feldstückes anzulegen. Es ist der Wenderaum für die Maschinen und die Zufahrt zum Grundstück. Wenn man die Entwicklung in den letzten Jahren in der Feldmark verfolgt, so stellt man fest, daß Grundstücke die früher in Ost-West Richtung bearbeitet wurden heute in Nord-Süd Richtung bearbeitet werden und umgekehrt. Wenn jetzt schon von früher her eine Hecke in einer Richtung als Feldrand angelegt war könnte es sein , dass sie heute in den Wendebereich oder sogar quer durch den Feldschlag geht. Das zeigt, man muss sich schon Gedanken um die Durchführung machen. Es nützt auch nicht nur 1 m oder 2 m breite Streifen zu planen, denn Bäume und Sträucher wachsen und  brauchen mindestens 5 m Breite und wenn es quer zur Ackerfläche geht auch noch auf jeder Seite einen Wendeweg.

Welchen Wert so ein Gelände hat, sieht man am Lindbach. Der Lindbach mit seinen Uferstreifen ist ein Schutzraum und Rückzugsgebiet für das Wild, die Vogelwelt und Reservat für Kleintiere und Pflanzen. Je vielseitiger  so ein Gebiet ausgestattet ist um so vielseitiger sind auch die Arten die anzutreffen sind. Was für unsere Gemarkung sehr wichtig ist , sind dichte Hecken, Sie bieten den Singvögel Schutz und Nistgelegenheit. Rebhuhn und Feldhase können sich hierher zurückziehen. Über 50 Vogelarten kann man am Lindbach entlang beobachten. In dem dichten Gehölz , bei den Fischteichen, in der Zechweide und an der Brücke ist es der Zaunkönig, die Nachtigall, verschiedene Grasmücken, die Heckenbraunelle, in dem Buschwerk die Goldammer, der Sumpfrohrsänger, der Gelbspötter, der Fitis, der Zilpzalp,. In den größeren Bäumen verschiedene Meisenarten, der Buntspecht, der Kleiber, der Gartenbaumläufer, der Grünfink, der Kuckuck, die Amsel, im Unkraut der Distelfink, das Rebhuhn, der Hänfling, Wacholderdrossel, Die Feldlerchen meiden Bäume, sie halten einen gewissen Abstand von den Feldgehölzen.

Zum Vergleich, der Springebach. Er hat wenig dichtes Unterholz. Am oberen Lauf wurde vor 2 Jahren alles Gebüsch auf einmal abgeschnitten, Wo sonst noch 3 Brutpaare Goldammern brüten, war im letzten Jahr auf diesem Stück keine Goldammerbrut zu verzeichnen. Es geht hier nicht um die Goldammer, aber die Goldammer zeigt, dass die Veränderung zu ihrer Ungunst geschehen ist.

Eine ähnliche Beobachtung am Kleebach. Als das Unterholz am Kleebach dicht war , brütete die Nachtigall an einigen Stellen am Bach. Dann wurde vor einigen Jahren das ganze Unterholz zurückgenommen. Die Nachtigall hat in den letzten Jahren nicht mehr am Kleebach gebrütet.

Die Vögel zeigen uns schnell an ihrem Gesang, wenn etwas nicht stimmt. Will man Gehölze dicht bekommen, muss man sie zurücksetzen, aber nicht einen ganzen Bachlauf, oder das ganze Gehölz auf einmal.

In der 1. Flurbereinigung (1913) wurden 4 Feldgehölze angelegt. Vogelsnest, Nebental, Surbachwäldchen und Seilerstrauch. Es war vorgesehen, dass alle 15 Jahre 1/3 der Fläche auf Stock gesetzt wird. Die Anordnung für das zurücksetzen der Gehölze gab der Regierungspräsident. Ab 1940 kamen keine Anordnungen mehr, der Vogelschutzverein nahm nach seiner Gründung die Maßnahme in die Hand. Heute gehören diese Gehölze zu dem Forstamt der Stadt Gießen. Da die Zurücksetzungen zwar Geld kosten, aber nichts einbringen sind die entsprechenden Pflegemaßnahmen bis sie zur Durchführung kommen, mit vielen Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten verbunden., und werden am Ende ganz unterlassen. Diese Grundstücke miteinander zu verbinden hat man  in der letzten Flurbereinigung versäumt und es ist nun eine Aufgabe für die kommenden Jahre versäumtes nachzuholen.

Was Tiere und besonders Vögel brauchen ist Nahrung, Wasser, Ruhe, Wärme, Schutz zum Übernachten, Schutz zur Aufzucht der Brut mit Nistgelegenheit, Schutz vor Feinden und Ruhe zur Nahrungsaufnahme. Diesen Schutz können Feldgehölze und Hecken zum großen Teil abdecken, wenn sie richtig angelegt sind und gut unterhalten werden. Da in Hecken alles mögliche Getier Schutz hat, bieten sie auch wieder Nahrung und einen sicheren Weg zu Wasserstellen oder anderen Nahrungsquellen. Auch ist eine verbindende Hecke ein Weg um Arten die aus irgend einem Grund aus einem Biotop verschwunden sind , die Wiederansiedlung zu ermöglichen.

Wenn eine Hecke gut angelegt ist, bietet sie Sämereien für Körnerfresser, Beeren für Allesfresser, Insekten für Insektenfresser, Mäuse für die Greifvögel. Früher hatten Hecken und Feldraine den Ruf, sie fördern die Mäuseplage, was auch stimmt. Aber heute sind diese Flächen mit den Mäusen für  die Greifvögel wertvoll, da es nur wenige Mäuse in den großen Feldschlägen gibt. Gerade die Kleeäcker waren voller Mäuselöcher, aber wo kein Vieh ist sind auch keine Kleeäcker damit fehlen auch die Mäuse.

Wollen wir soweit wir es können die Vielseitigkeit der Natur erhalten, so muss man auch in Kauf nehmen, dass der Sperber oder der Habicht einmal zuschlägt und eine Vogel oder Junghasen fängt. Ist das Angebot groß , ist der Schaden gering. Der Habicht und der Wanderfalke waren schon einmal fast ausgerottet. Um Arten vor dem Aussterben zu bewahren, müssen wir das Futterangebot und das Angebot an Schutzraum erhöhen. Das geht in Form dieser Schutzhecken.

Wenn Mäuse, Feldsperlinge und auch andere Vögel in größeren Mengen vorhanden sind, ist das Nahrungsangebot gesichert. Tiere die sich schnell  vermehrenwaren die Hauptschädlinge von gestern. Diese können , wenn die  Vorausetzungen geschaffen werden, die Nahrungsgrundlage für gefährdete Tierarten sicher stellen. Es entstehen auch heute noch Schäden an Heckenränder, aber es ist ein Unterschied  ob 50 cm oder 1 m von einem Grundstück von 10 ar oder 6 ha verloren gehen.

Wenn wir die Natur nur teilweise erhalten können, und so die Vielfalt und die Schönheit fördern, brauchen wir unsern Enkel nicht nur von den einstigen Tieren  und Pflanzen erzählen, sondern sie können selbst erleben, wie gut die ganze Natur eingerichtet ist.

Der Mensch brauch die Natur, denn hier sieht er, wie vorsorglich der Schöpfer  die ganze Umwelt ausgestattet hat, uns zur Freude.           

 

 

 

Neue Nisthilfen für den Steinkauz

(kh). Der Steinkauz ist die kleinste heimische Eule und brütet im Streuobstgelände, wenn möglich in Höhlen alter Apfelbäume. Leider ist diese Vogelart durch den steten Rückgang von Obstbaumwiesen als bedroht eingestuft und auf die „Rote Liste“ gesetzt worden.

„Die Wiesecker Vogelschutzgruppe Hangelstein  bietet schon seit vielen Jahren künstliche Nisthilfen für Steinkäuze an und hat im Vorjahr wiederum dreimaligen Bruterfolg registrieren können“,berichtet  Fachwart Karl-Heinz Hahn. Wind und Wetter haben den Brutröhren inzwischen stark zugesetzt. Deshalb hat Martin Lemp 5 neue Nistkästen „Modell Engel“ mit Klappdach und Anti-Marder-Pendel  - das Holz spendete die Firma Rohm – gebaut. Kürzlich wurden diese unter Mithilfe des Vogelschutzbeauftragten Horst Rau sowie desVereinsvorsitzenden Wolfgang Bellof und den Kindern Sven Thoma (10 Jahre) und Andre Walldorf (12 Jahre) gegen alte ausgetauscht. Fachlichen Rat gab es dazu von Karl Herrmann, dem Pressewart der Hangelsteiner,der seine Erfahrung aus der Wieder-Ansiedelung des Steinkauzes in Rodheim-Bieber und Vetzberg – dort sind es inzwischen  auch drei Brutpaare – vor Ort

wie folgt einbringen konnte: In den Wiesecker Brutrevieren wurden zusätzlich Kästen ausgebracht, die den Altvögeln während der Aufzucht ihrer Jungen Ausweichquartiere als Tageseinstand bieten.

 

 

Sandgrube – Heimat für Uferschwalben

(kh). Großes Verständnis und viel Interesse für die Belange des Natur- und Umweltschutzes zeigte Reinhard Schneider, geschäftsführender Gesellschafter der DERA Mineral GmbH, mit dem sich die Wiesecker Vogelschützer vom Hangelstein in der Sandgrube am Nordkreuz getroffen hatten. Grund der Zusammenkunft auf dem Gelände der Firma, so Wolfgang Bellof, der Vorsitzende der Vogelschutzgruppe Hangelstein: Auf dem sandigen Gelände eine neue Steilwand für die Uferschwalben-Brutkolonie zu schaffen. Dies sollte bis Mitte April  geschehen sein, merkte Vogelschutzbeauftragter Horst Rau an. Und Betriebsleiter Rudolf Klein versprach, diesen Vorschlag in die Tat

umsetzen zu lassen. Die im tropischen Afrika überwinternden Uferschwalben brüten schon seit einigen Jahren in dieser Sandgrube. Sie bauen jedes Jahr neue Brutröhren. In den vergangenen Jahren wurden sie schon des öfteren vom „Kletterkünstler Waschbär“ im Brutgeschehen beeinträchtigt, für den sogar steile Sandwände nicht unüberwindbar sind, wenn es darum geht, seinen Hunger zu stillen, schildert Pressewart Karl Herrmann. Nebenbei bemerkt: In dieser vegetationsfreien  Sandgrube fühlt sich inzwischen auch der Flussregenpfeifer wohl und brütet dort. Reinhard Schneider, sichtlich erfreut über die beabsichtigte Zusammenarbeit mit den Vogelschützern, sicherte den Wiesecker Verantwortlichen jederzeit freien Zugang zur Beobachtung des „Projektes Uferschwalben“ auf seinem Firmengelände zu.

 

 

 

Eine alte Kirche, welche den Sperlingen unzählige Nester gab, ward ausgebessert. Als sie nun in ihrem neuen Glanze dastand, kamen die Sperlinge wieder, ihre alten Wohnungen zu suchen. Allein sie fanden sie vermauert. "Zu was", schrien sie, "taugt denn nun das große Gebäude? Kommt, verlasst den unbrauchbaren Steinhaufen!" G.E. Lessing

 

 

Es muß kein Schwalbenhaus sein...

(tma). Manche Naturschutzgruppe will scheinbar mit „aller Gewalt“ ein Schwalbenhaus haben. Dieser Ansatz ist aber keine gute Vorraussetung. Einem Schwalbenhaus sollte immer eine Bestandsaufnahme und kleinere Maßnahmen (Anbringen von Kunstnestern etc.) vorrausgehen (Gutes Beispiel: Garbenteich). Die Standortwahl ist das allerwichtigste, denn man kann die teure Konstruktion nicht einfach wie einen Nistkasten umhägen (Negativ-Beispiel: Muschenheim).

Eine Alternative um Schwalbenhaus könnte dagegen die vom Landratsamt Chemnitzer Land entwickelte „Mauersegler-Laterne“ sein! Dieser Zugvogel ist genauso auf unsere Hilfe angewiesen wie die Mehlschwalbe. Außerdem kann man der Besiedlung von neuen Nistplätzen durch ein Nestruf-Tonband auf die Sprünge helfen. Für Schwalben ist diese Möglichkeit noch nicht ausreichend erprobt.

Mehr über Mauersegler und die Mauersegler-Türmchen in diesem SPECHT.

 

 

 

Eifersucht: Drama im Storchennest

Von einem Familiendrama unter Störchen berichten deutsche Vogelkundler. Nach einer Flugreise von 24.000 Kilometern fand das Storchenweibchen "Prinzesschen" sein Nest von Partner "Jonas" und einer Nebenbuhlerin besetzt vor. Nach einem heftigen Kampf folgte die Wiedervereinigung des Paares.

(www.storchenzug.de /kh) - Prinzesschen und Jonas sind zwei von sechs Weißstörchen (Ciconia ciconia), deren Wanderungsbewegungen seit August letzten Jahres mit Minisendern und Kameras überwacht werden.

Die Altstörche aus der Elbtalaue gehören zu den so genannten "Ostziehern", die über Südeuropa, die Türkei und den Nahen Osten in ihre ostafrikanischen Überwinterungsgebiete ziehen. Dass zumindest die Rückkehr nicht immer unproblematisch ist, zeigen die jüngsten Ereignisse.

Genau um 15:34 Uhr schwebte Prinzesschen aus Südafrika kommend im sachsen-anhaltinischen Loburg ein. Ihr Partner Jonas hatte solo in der spanischen Extremadura überwintert und war bereits am 5. März zurückgekehrt.

Doch statt seine langjährige Partnerin freudig zu begrüßen, attackierte Jonas Prinzesschen. Der Grund: Jonas bebrütete die Eier einer neuen Partnerin, die er zwischenzeitlich kennen gelernt hatte.

Zunächst setzte Prinzesschen sich demütig auf die fremden Eier, wurde von Jonas jedoch weiter angegriffen. Um 15:43 Uhr wurde es der Storchendame zu bunt. Sie verließ das Nest, blieb aber weiterhin in Sichtweite.

Drei Stunden später tauchte schließlich die namenlose Nebenbuhlerin auf und das Drama nahm seinen Lauf: Jonas konnte seine neue Partnerin kaum begrüßen, da ging Prinzesschen ihrerseits zum Angriff über. Nach kurzem aber heftigem Kampf obsiegte Prinzesschen und schlug die Rivalin in die Flucht.

Jonas bekannte sich schließlich zu seiner alten Partnerin und die beiden bilden nun wieder ein Paar. Die Eier der Nebenbuhlerin fielen übrigens dem Kampf zum Opfer. "So ist das Storchenleben", kommentiert das Bundesamt für Naturschutz.

Der Storchenzug birgt noch immer große Geheimnisse, von denen einige im Rahmen der lückenlosen Überwachung gelüftet werden sollen. Das Projekt "Storchenzug.de" soll daneben aber auch Möglichkeiten zum Schutz der großen Vögel aufzeigen und ein außergewöhnliches Frühlingserwachen vermitteln.

Die Erlebnisse von Prinzesschen, Jonas, Felix, Valinka, Sophia und Annamarie können im Internet verfolgt werden.

 

 

 

Aus dem Birdnet:

Schoenen Montag Vormittag allerseits,

Mysterybird: Ein kurzer schnarrender Ruf. Erinnerte mich an eine unvollständige Doppelschnepfe...

Vielleicht eine Halbschnepfe?    Das waere eine Viertel  Doppelschnepfe, also schon ziemlich unvollstaendig ... :-)

Tut mir leid, konnt' ich mir nicht verkneifen ... :-)

Tschuess

Rainer M Woitok

 

 

 

Bauern und Umweltschützer streiten um

den Abschuss der Krähen

Welt am Sonntag, 12.5.02

 

Die Vögel attackieren Ferkel, Lämmer und Gänse. Doch vielerorts dürfen sie nicht gejagt werden, obwohl sie kaum noch natürliche Feinde haben. 

Der Beutefeldzug der Aaskrähen von Bad Waldsee ist fast immer von Erfolg gekrönt. Zwei oder drei Rabenvögel erheben sich aus dem Forst nahe dem Örtchen in  Baden-Württemberg, fliegen ein etwa 500 Meter entfernt gelegenes Hühner-Freilandgehege an und formieren sich.

Haben sie eine allein stehende Henne ausgemacht, so hat die in der Regel ihr Leben verwirkt. Denn der Angriff aus der Luft erfolgt gezielt und wird strategisch perfekt vorgetragen. Die Krähen setzen zum Sturzflug an, stellen das Huhn, drücken den etwa gleich großen aber meist hoffnungslos unterlegenen Fang zu Boden und traktieren ihn mit ihren kräftigen Schnäbeln so lange, bis die Gegenwehr erloschen ist. "Wir beobachten das jeden Tag, sind aber in der Regel machtlos", sagt Hühnerhalter Horst Fallenbeck. Denn Rabenvögel, zu denen neben Nebel- und Rabenkrähen auch Kolkraben, Elstern und Eichelhäher zählen, sind in de n meisten Bundesländern geschützt, dürfen also nicht gejagt werden. Sie  sind im Sinne des Artenschutzes den Singvögeln gleichgestellt. Bauer Fallenbeck hat 7000 Hühner auf einer Freifläche von sieben Hektar laufen. Sein idyllisch gelegener Hof gilt nach der neuen Legehennenverordnung des grün geführten Bundesverbraucherschutz-ministeriums als Vorbild für artgerechte Haltung. "Das wird aber torpediert, weil es, überspitzt gesagt, bald mehr  freifliegende Krähen gibt, die unsere Tiere attackieren, als glückliche H ühner", sagt Fallenbeck. "Wir sollen artgerecht halten, die gesetzlichen Bedingungen aber machen es nicht praktikabel." Durch die täglichen Übergriffe der schwarz gefiederten Räuber scharen sich die verängstigten Hühner zusehends in  der Nähe des sicheren Stallzugangs. "Von Freilauf kann da keine Rede mehr sein", schimpft der Geflügelhalter.

Südlich von Hamburg in Borstel hat Schäfer Adolf Schmücker beobachtet,  wie Krähen insgesamt 17 seiner Lämmer zerhackten. Sie rissen den Frischgeborenen die Hauptschlagader am Kopf auf, so dass die Tiere verbluteten. In Sigmaring am Bodensee, berichtet Gänsezüchterin Brigitte Fuchs, drangen Krähen sogar bis in die Ställe vor, wo sie die Eier aufpickten und die kleinen Gänseküken raubten. Besonders schlimm hat es die nordfriesische Stadt Niebüll erwischt: Hier sorgen 1000 Krähenpaare dafür, dass die Einwohner keine Ruhe mehr finden. Von einem zwanzig Tage alten Ferkel, dem die Krähen den Bauch aufhackten und dem sie die Eingeweide herausrissen, berichtet Schweinezüchter Sommer. Bauer Dieter Enewaldsen hat Sorge, dass die Krähen sogar eines seiner Kälber reißen könnten. Jetzt, wo die Angusherde auf die Weide gelassen wurde und die Mutterkühe kalben werden, sei "höchste Wachsamkeit vor den schwarzen Biestern" geboten, sagt Enewaldsen. Von ganz anderen Schäden berichtet Peter Klesius von der Lehr- und Versuchsanstalt für Obstanbau in Oppenheim: "Krähen picken bevorzugt rot leuchtende Äpfel auf und zerstören insbesondere bei jungen Bäumen häufig die Hälfte des Fruchtbestandes."

Deutschlands Umweltschützer möchten den schlimmen Geschichten der leidgeprüften Bauern indes wenig Glauben schenken. Absurd sei es zu glauben, Aaskrähen oder Kolkraben könnten Jungtiere wie Lämmer, Kälber oder Ferkel töten, versichert Markus Nipkow vom Naturschutzbund Deutschland. Krähen würden zwar tote Beute nicht verschmähen. "Alle vorgenommenen Obduktionen

aber", berichtet Nipkow, "haben ergeben, dass die von Krähen heimgesuchten Tiere bereits tot oder aber nicht mehr lebensfähig waren."

Natürlich gäbe es Probleme, wenn sich größere Krähen-Kolonien in Städten ansiedelten, räumt der niedersächsische Ornithologe Wolfgang Epple ein.  Es herrsche aber, beschwert sich Epple, in Deutschland "eine regelrechte Pogromstimmung gegen diese Vögel auf". Die Angriffe gegen Krähen seien von geradezu "rassistischer Hetze und Niedertracht" geprägt. Epple: "Die Rabenkrähe hat durch all die kursierenden Schauermärchen offenbar ihr Leben verwirkt.  Sie wird für alles verantwortlich gemacht."

Der Deutsche Jagdschutz-Verband (DJV) ist da ganz anderer Meinung. Seit Jahren wenden sich die Jäger gegen den ihrer Meinung nach "falschverstandenen" Schutz der Krähen. "Bisher haben", sagt DJV-Mitglied Annegret Keulen, "erst vier Bundesländer die Möglichkeiten genutzt und unbürokratische Wege zur Bestandsregulierung geebnet." Krähenschwärme seien zwar bundesweit keine flächendeckende Plage, führten aber örtlich zu enormen Problemen. Keulen: "Die Beschwerden aus der Bevölkerung häufen sich." In den meisten Bundesländern ist das Jagen der Krähen verboten. Sie stehen unter Schutz, obwohl sie kaum mehr natürliche Feinde haben. Eins der wenigen Länder, die von dieser Linie abgewichen sind, ist Bayern, zum Schutz von Tier und Pflanzenwelt und zum Schutz von landwirtschaftlichen Kulturen", begründet Klaus Heidenreich, zuständig für Artenschutz im bayerischen Umweltministrium, die krähenregulierende Politik. Länder wie Schleswig-Holstein, in denen die Jagd auf Rabenvögel nur mit  selten vergebenen Ausnahmegenehmigungen erlaubt ist, wehren sich gegen solche Lockerungen. "Abweichungen, wie sie anderswo praktiziert werden", sagt Hermann Schladerbusch vom Referat für Artenschutz im Kieler Landesumweltministerium, "halten wir für rechtlich nicht einwandfrei."

 

 

Bäume wie im Winter:

Maikäferplage sorgt für kahle Wälder

Von Nicolette Otto, dpa

Ein Naturschauspiel lässt südhessische Bäume mitten im Frühling nach und nach kahl wie im Winter werden. Die warmen Temperaturen haben in den vergangenen Tagen Millionen von Maikäfern aus dem Boden krabbeln lassen.

Darmstadt (dpa) - Südhessen droht in diesem Jahr eine der größten Maikäferplagen seit Jahrzehnten. Rund drei Milliarden braune Käfer sollen nach Auskunft des hessischen Umweltministeriums auf einem Gebiet von rund 6000 Hektar ausfliegen. Das Bundesagrarministerium rechnete für dieses Frühjahr auch in einzelnen Regionen Baden-Württembergs und Sachsen-Anhalts mit starkem Maikäferbefall. Experten gehen jedoch nicht von einer derart großen Plage wie in Südhessen aus.

In dichten Trauben hängen die Käfer im Wald bei Darmstadt an den Ästen der Bäume und fressen sich mit dem frischen Grün voll, bis kein Blatt mehr übrig ist. Spaziergänger bleiben am Wegesrand stehen und schütteln an kleineren Bäumchen, um die nimmersatte Truppe zum fliegen zu bringen.

Die rund einen Zentimeter breiten Löcher im Waldboden zeugen von der Käferarmee, die sich in den vergangenen Tagen auf den Weg in die Baumkronen gemacht hat. Überall im Wald knistert und knackt es am Boden. Die Geräusche stammen

vom Maikäferkot, der von den Bäumen rieselt. Die kleinen schwarzen Kügelchen überziehen den Waldboden und auch das Haar und die Kleider der Waldbesucher. In den Bäumen summt und brummt es. Vor allem in der Dämmerung werden die Maikäfer aktiv. Dann machen sich die Tiere etwa eine Stunde lang auf die Suche nach einem geeigneten Partner.

Weder Vögel noch Wildschweine, die sich über die Käfertruppe hermachen, können sie merklich dezimieren. Auch manche Spaziergänger gehen auf die Jagd nach den Käfern und treten so viele tot, wie sie erwischen können. Forstleute müssen hilflos mit ansehen, wie die Tiere einen Baumbestand nach dem anderen kahl fressen.

Noch dramatischer als der Kahlfraß wirken sich aber die Engerlinge auf den Wald aus. Die fingerdicken Raupen nagen an den Wurzeln der Bäume und töten sie ab. Bis zu zehn Engerlinge pro Quadratmeter kann der Wald verkraften. Im Darmstädter Wald wurden bis zu 160 Engerlinge in einem Quadratmeter gezählt. «Das natürliche Gleichgewicht ist völlig aus den Fugen geraten», meint der Darmstädter Forstamtsleiter Arnulf Rosenstock. Wenn sich die Käfer ordentlich vollgefressen haben, beginnen sie mit der Paarung. Das Weibchen legt bis zu drei Mal Eier ab. Die Klumpen mit 20 bis 30 Eiern gräbt sie rund 20 Zentimeter tief in den Boden ein. Nach etwa sechs

Wochen schlüpfen die Larven. Sie ernähren sich in der ersten Zeit von Graswurzeln.

«Die tödliche Vernichtung an den Wurzeln der Bäume setzt ein, wenn die Engerlinge schon dicker sind», erklärt Rosenstock. Nach vier Jahren sind die Maikäferlarven ausgewachsen und verpuppen sich in einigen Dezimetern Tiefe im Herbst. Sie schlüpfen nach wenigen Wochen, bleiben jedoch im Boden. Dort überwintern die Käfer, krabbeln im April oder Mai an die Oberfläche und schwärmen aus. Die von den Käfern kahl gefressenen Bäume erholen sich in der Regel wieder, wenn sie im Juni neu austreiben.

Der Maikäfer Wolfgang aus Potsdam hat den künstlich verlängerten Winterschlaf dagegen nicht überlebt. Der Käfer, der an einem warmen Januarwochenende 2002 zu früh aus dem Boden krabbelte und im Kühlschrank des brandenburgischen Landesumweltamts in Potsdam seinen Winterschlaf fortsetzen sollte, regte sich zum «Erweckungstermin» am Mittwoch nicht.

 

Schmetterlinge: Raupen schützen sich mit Öltröpfchen

(kh) Die Raupen des kleinen Kohlweißlings tragen ein Abwehrmittel gegen Fressfeinde mit sich herum: Öltröpfchen auf den Haaren der Raupen enthalten eine Substanz, die hungrige Ameisen auf Distanz hält.

(jkm) - Wie amerikanische Biologen in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten, könnte ihr Fund erklären, warum der aus Eurasien stammende Schmetterling sich so erfolgreich über Nordamerika ausgebreitet hat.Naturfreunde erfreuen sich am Anblick eines Kohlweißlings (Pieris rapae), Gärtner und Landwirte stehen dem Schmetterling eher skeptisch

gegenüber. Vor allem in Nordamerika haben sich die haarigen Raupen zu einer echten Plage entwickelt, seit die Art vor 140 Jahren nach Kanada eingeschleppt wurde.Scott Smedley von der Cornell University in Ithaca, New York, und seine Kollegen wollten nun wissen, ob der Erfolg der Tiere vielleicht mit ihren Drüsenhaaren zusammenhängt, auf deren Spitze jeweils ein kleines Öltröpfchen sitzt. Zunächst brachten die Forscher Ameisen mit Kohlweißlingsraupen oder Mehlwürmern zusammen und registrierten das Verhalten der Tiere. Wie das Team in einem vorab veröffentlichten Artikel berichtet, nahmen die Ameisen nur kurz Kontakt mit den Larven der Kohlweißlinge auf und putzten sich dann eifrig die

Fühler, Beine und Mundwerkzeuge. Mit den Mehlwürmern beschäftigten sie sich dagegen in aller Ausführlichkeit.Scheinbar entsprachen die Kohlweißlingsraupen nicht dem Geschmack der Ameisen. Die abschreckende Wirkung ließ sich jedoch aufheben, indem die öligen Tröpfchen durch eine kurze Behandlung mit Methanol beseitigt wurden.Smedley und seine Kollegen fanden heraus, dass diese Tröpfchen hauptsächlich Fettsäuren enthalten - genauer 11-Hydroxy-Linolensäure, die

mit weiteren Fettsäuren unterschiedlicher Länge verestert war. Zu Ehren der Insektenkundlerin May Berenbaum tauften sie die Substanzklasse auf den Namen Mayolene.Ein weiterer Versuch zeigte, dass die abschreckende Wirkung der Öltröpfchen tatsächlich auf die Mayolene zurückgeht. Die Forscher boten Ameisen Wanzeneier an, die sie teilweise mit den Substanzen imprägniert hatten. Die derart behandelten Eier wurden von den Ameisen verschmäht, während sie sich begeistert über die unbehandelten Eier hermachten.Smedley und seine Kollegen glauben, dass die öligen Sekrete auch gegen andere Räuber und Parasiten wirksam

sein könnten, beispielsweise Wespen, Käfer, Spinnen und Weberknechte. Zumindest einen Teil seines enormen Erfolges verdankt der Schmetterling diesen chemischen Keulen, glauben die Forscher.

Flughafenausbau in Kassel-Calden bedroht möglicherweise Vogelschutzgebiet europäischer Bedeutung

NABU - P R E S S E D I E N S T – Nr.  05/02 -      08.03.2002

Wetzlar - In einer Stellungnahme an die Europäische Kommission hat der NABU Hessen deutlich gemacht, dass im Falle eines Ausbaus des Flughafens Kassel-Calden die Lebensräume seltener Vogelarten zerstört werden, die möglicherweise als Europäische Vogelschutzgebiete ausgewiesen werden müssten.

Der NABU führt die hessenweite Liste der "Important Bird Areas", dies sind Vorschläge für international bedeutende Vogelschutzgebiete. Anhand eines für das Raumordnungsverfahren erstelltes vogelkundlichen Gutachtens konnte der NABU nun  die Bedeutung des Gebiets um den Flughafen für Hessen ermitteln. Überraschendes Ergebnis ist, dass das Flughafen-Umfeld sowohl für Rastvögel, als auch für Brutvögel von großer Bedeutung ist. Insbesondere für die rastenden Goldregenpfeifer und Kiebitze, könnte das Gebiet die Kriterien eines Europäischen Vogelschutzgebietes erfüllen. Bei den Brutvögeln nennt der NABU mehrere Arten, die bisher in den offiziell gemeldeten EU-Vogelschutzgebieten noch völlig unzureichend gemeldet wurden: Bisher sind hessenweit erst 2 Brutpaare des Uhus  (4% der Gesamtpopulation) durch Vogelschutzgebiete geschützt. Bei einem Ausbau in Kassel-Calden kommen die Gutachter aber zu dem Ergebnis, dass der Brutstandort mit hoher Wahrscheinlichkeit verloren gehen wird. Vom Rauhfußkauz sind bisher ebenfalls nur 2-3 Brutpaare geschützt, das sind weniger als 2% der hessischen Rauhfußkäuze. Ähnlich dramatisch verhält es sich beim Grauspecht, Schwarzspecht  und dem Wachtelkönig. Der NABU hält es daher in seiner Stellungnahme für "unverzichtbar", dass vor  einer Entscheidung über einen Ausbau des Flughafens Kassel-Calden zunächst eine landesweit vollständige Meldung von Europäischen Vogelschutzgebieten vollzogen wird. Rund um den Flughafen Frankfurt wird derzeit eine Meldung von EU-Vogelschutzgebieten von den Naturschutzbehörden vorbereitet. "Das alleine reicht aber nicht", so Prof. Rüdiger Wagner, Landesvorsitzender des NABU. Eine Bewertung der Vogel-Vorkommen in Nordhessen ist nur dann möglich, wenn insgesamt in Hessen geklärt sei, welches die wichtigsten Vogel-Vorkommen sind, und diese auch als Schutzgebiete an die EU-Kommission gemeldet sind.

           

Segler, Kanuten und Reiter als Naturschutzverbände?

Was versteht der Kanufahrer von Orchideenwiesen?

NABU - P R E S S E D I E N S T -Nr. 16/02 - 27. März 2002

Wetzlar; Mit großem Befremden haben die Naturschutzverbände NABU und BUND

auf die Forderung von drei Sportverbänden reagiert, in Hessen als Naturschutzverbände anerkannt zu werden. Umweltminister Wilhelm Dietzel (CDU) will das hessische Naturschutzgesetz noch in diesem Jahr novellieren.

Darin will  er bereits zahlreichen Naturnutzern wie Waldbesitzern, Bauern-, Wasser- und Bodenverbänden die gleichen Rechte einräumen wie den anerkannten Naturschutzverbänden. In der Begründung zum Gesetzentwurf vom September 2001 erklärte Dietzel ganz unverblümt "dies schien aus Gründen der Waffengleichheit geboten".

"Der Sport ist uns ein geschätzter Gesprächspartner, als Naturschutzverband aber wären die Sportorganisationen fehl am Platz und überfordert", so BUND und NABU. Sie appellieren an die Landesregierung, das Ansinnen von Sportverbänden zur rechtlichen Gleichstellung mit Naturschutzverbänden zurück zu weisen. Es  sei  absurd, wenn sich ein Naturschutzgesetz in Teilen selbst wieder unwirksam mache, indem Nutzerinteressen wie Naturschutzinteressen behandelt würden.  Sportverbände hätten grundsätzlich andere Interessen und Aufgaben als der Naturschutz, so Rolf Strojec für den BUND. Wenn nebenbei ein paar Solarzellen für die Duschkabinen  und die Senkung des Energiebedarfs in Vereinshäusern heraussprängen, so sei das erfreulich, aber kein Grund für die Anerkennung als Naturschutzverband. Wer etwas von der Düngung eines Stadionrasens verstehe, sei noch lange kein Experte für Biotopvernetzung und ein Golfplatz werde nicht zur Orchideenwiese. Anerkennungsvoraussetzung ist bisher, dass ein Naturschutzverband nach seiner Satzung "vorwiegend die Ziele des Naturschutzes" fördern muss. Diese Voraussetzung sei bei Sportverbänden definitiv nicht gegeben, so Hartmut Mai für den NABU. Nicht jeder, der die Natur betritt, sei automatisch ein Naturschützer. Eine Anerkennung der Nutzerverbände brächte einen immensen Bürokratieaufwand mit sich. Mai zweifelt daran, wie Sportverbände den naturschutzfachlichen Sachverstand aufbringen sollen, der bei jährlich Tausenden von Stellungnahmen bei Planfeststellungsverfahren, Eingriffen in Natur und Landschaft, Gesetzes- und Verordnungsvorhaben sowie bei der Bauleitplanung dem Naturschutz abverlangt wird. Die politische Zielrichtung solcher Anerkennungsbestrebungen sei klar: Der Naturschutz solle weiter verwässert, die klassischen Naturschutzverbände majorisiert und in ihrer Handlungsfähigkeit lahmgelegt werden, so der NABU-Landesgeschäftsführer. Notwendige Naturschutzmaßnahmen sollen künftig schon im Behördenverfahren fachfremd kleingearbeitet werden können. Die Reiterliche Vereinigung, der Seglerverband und der Kanuverband berufen sich auf die im neuen Bundesnaturschutzgesetz formulierte Feststellung, dass das Ziel des Naturschutzes auch der Erhalt des Erholungwertes der Natur ist. Zur Erholung gehören nach §2 BNatSchG auch "naturverträgliche sportliche Betätigungen in der  freien Natur".  Der Deutsche Sportbund hat dies dahingehend interpretiert, dass nunmehr Vereine, die sich nach Ihrer Satzung der Förderung des naturverträglichen Sports widmen, ein Beteiligungsrecht erhalten müssen, und dazu aufgerufen, diesen "neuen Naturschutz" auch im Landesrecht zu verankern. NABU und BUND weisen dies scharf zurück. Danach könne keinesfalls ein Recht auf Naturnutzung durch Sportverbände hineininterpretiert werden. Die notwendige Beteiligung des Sports in Fragen von Naturschutz erfolge im Rahmen der allgemeinen Bürgerbeteiligung. Diese wurde bisher auch ohne nennenswerte Einwände praktiziert. Der Sport, der viele wertvolle gesellschaftliche Aufgaben wahrnehme, solle sich zu schade sein für neue, von bestimmten Hardliner-Verbänden im Sport angestrengten Machtspielchen gegen den Naturschutz, so Ralf Strojec. Ein gemeinsamer Arbeitskreis zwischen Naturschutz- und Sportverbänden wurde aufgekündigt, um den Sportlern eine Pause zu ermöglichen, "um sich auf ihre wirklichen Aufgaben zu besinnen".

Vogelschutz vor 65 Jahren

Ein Bericht von unserem Vogelschutzbeauftragten Hermann Hoßbach

 

Brauchen wir noch einen Vogelschutzverein ?

Vor 50 Jahren hatten wir doch auch keinen.

 

Wie sah es denn vor 65 Jahren mit dem Vogelschutz aus ? Damals gab es bei uns noch keinen Vogelschutzverein Trotzdem betrieben viele Menschen bewusst oder unbewusst Vogelschutz. Winterfütterung im heutigen Sinne wurde nicht durchgeführt. Bei jeder Hausschlachtung, die im Winter in jedem Haushalt meistens 2 x durchgeführt wurde, hängte der Metzger den Saunabel im Freien auf. Er bildete Zusatzfutter für Meisen und manchmal auch für den Specht.

Im Herbst fuhr der Bauer den Ausputz, der beim Dreschen mit der Dreschmaschine übrig blieb, auf eine Wiese. Er enthielt Bruchkörner und jede Menge Unkrautsamen - Unkraut wurde ja nicht gespritzt. Der Ausputz wurde auf den Wiesen gelagert, kompostiert und später nach 2 - 3 Jahren auf den Wiesen aus gestreut. So wurde verhindert, dass Unkraut wieder auf den Acker kam. An diesen Haufen versammelten sich Feldsperlinge, Goldammern, Grünfinken, Buchfinken und andere Körnerfresser.

In langen Wintern mit viel Schnee gab es größere Verluste unter der Vogelwelt. So auch im Winter 1938/39 der nochmals spät sehr kalt wurde. Auch die folgenden Winter hatten viel Schnee. Der Bestand an Meisen, besonders der Blaumeisen, war stark zurückgegangen und hat sich erst in den 50er Jahren erholt. Ein weiterer Einschnitt war, dass im Winter 1939 ein großer Teil der Obstbäume erfror. So ging ein großer Teil der Nistmöglichkeiten verloren. Bei viel Schnee kamen große Schwärme Goldammern, Buchfinken und andere Körnerfresser in die Gehöfte, besonders in überdachten Dungstätten und Hühnergattern.

Nur den Staren bot man Nistgelegenheit an, und das fast auf jedem Hofe. Von einem hohlen Baumstamm sägte man ein Stück ab, nagelte oben und unten ein Brett dran, bohrte an die Seite ein Einflugloch und setzte eine Sitzstange darunter. Der Star ist ein nützlicher Vertilger von Engerlingen - damals war er Spezialist im Rübenacker. Er ging den Reihen nach und holte bei einer welken Pflanze den Verursacher aus der Erde. Gleichzeitig ist er auch ein Liebhaber für süße Früchte und wurde dann im Sommer abgeschossen. Viele Jungen hatten damals ein Luftgewehr. Es gehörte zum Spielzeug mit dem Hintergedanken der Wehrertüchtigung. Der Haussperling war Hauptschädling unter den Vögeln und war das ganze Jahr Zielscheibe. Alle grauen Vögel waren „Spatzen“. So schoss man auch auf Fliegenschnäpper, Grauammern, Buchfinken, Grasmücken und ab und zu auch einmal auf einen Rotschwanz.

In der warmen Jahreszeit war das Angebot an Insekten reichlich. Im Mai gab es massenweise Maikäfer. In den Straßen flossen die Abwässer offen, eine Brutstätte für viele Mücken und Fliegen und ein Futterangebot für viele Insektenfresser. Die Ställe waren schwarz von „Stubenfliegen“, die auch das Haus bevölkerten. Die Fuhrwerke wurden von Tieren gezogen und ihre Hinterlassenschaften lagen auf der Straße, die auch viele Mücken anzogen. So jagten besonders die Rauchschwalben in den Straßenzügen ihre Nahrung praktisch vor der Haustüre. Die Talauen waren Wiesen, in denen viele Insekten lebten, welche auch den Fröschen reichlich Nahrung lieferten. Diese waren wieder Nahrung für den Storch.

Auf den Luzerne- und Rotkleeschlägen gab es genügend Mäuse für die Beutegreifer. Mehrmals in der Woche wurde ein Streifen gemäht und das bei cá 100 Grundstücken. Es gab dadurch immer genügend Kahlstellen, welch den Mäusen keine Deckung lieferten.

An diesen wenigen Beispielen kann man die großen Veränderungen sehen, die in den letzten 65 Jahren in unserer Natur geschehen sind. 

Während der Vogelschutz bis vor dem II Weltkrieg mehr beiläufig und unbewußt geschah, wurde er am Ende des Krieges und in der Nachkriegszeit gefördert. Die Nahrungsmittel waren knapp und geerntet wurde nur das was uns die Schädlinge übrig ließen. Chemische Bekämpfungsmittel gab es wenige,  welche sehr bedenklich und wenig wirksam waren. Die Schädlinge waren die Nahrungskonkurrenten des Menschen. Die Vögel wurden in Nützlinge und Schädlinge eingeteilt, je nach ihrer Ernährungsgewohnheit. Nützlinge waren alle Insektenfresser und ein Teil der Körnerfresser. Meisen, Schwalben, Grasmücken, Kleiber, Spechte und die Kleinsänger. Und ein Teil der Körnerfresser die den Unkrautsamen fraßen: Lerchen, Finken, Ammern, Pieper und andere. Rabenvögel und die Greifvögel waren Vertilger von Mäusen. Sperlinge, Drosseln und Stare wurden als Schädlinge eingestuft und auch bekämpft.

Durch die kalten Winter in den 30er und 40er Jahren waren viele alte  Obstbäume erfroren und zusätzlich wurden alle hohlen Bäumen gefällt, da sie als Brutstätte für das Ungeziefer galten. Überwacht wurde diese Aktion vom staatlichen Obstbaumwart und vom staatlichen Pflanzenschutzwart. Der Bestand an Höhlenbrüter war stark zurückgegangen. Es fehlt an Nistgelegenheiten, es mußte gehandelt werden..

Der Vogelschutzverein wurde gegründet. Es gab viele Interessenten. Mitglieder vom Obst- und Gartenbauverein, Landwirte, Obstbauern, Jäger, Angler und nicht zuletzt die Naturfreunde. Alle waren und sind heute noch Beobachter der Vogelwelt. Alle hatten einen Nutzen vom Vogelschutz. Es wurden Hecken gepflanzt, Nistkästen gebaut und aufgehängt, künstliche Schwalbennester angebracht und Vorträge gehalten. Die Winterfütterung wurde eingeführt. Und da der Sperling sich an den Futterstellen breit machte, die Nistgelegenheiten in Anspruch nahm und auch Schäden in den Gärten verursachte, wurde sogar eine vereinseigene Spatzenfalle angeschafft um diese Schädlinge zu mindern.   

Welche Vögel gab es 1950 bei uns nicht oder ganz selten?

Die Mehlschwalbe hatten in den 40er Jahren nur 1-2 Nester im Dorf, die waren an der alten Schule. Heute haben wir 75 künstliche Nester im Dorf und es sind auch immer um die 60 Naturnester da, die von den Mehlschwalben gebaut werden. Die Nester werden zu 60% belegt.

Die Nachtigall ist bei uns um das Jahr 1950 eingezogen, sie braucht zur Brut im Anfang Mai dichte Hecken. Heute hört man um die 20 Männchen am Luh, Lückenbach, Holzburg, Lindbach und in den Feldgehölzen, singen.

Die Türkentaube ist auch damals gekommen und heute wieder verschwunden.

Die Wacholderdrossel hielt auch in der Nachkriegszeit bei uns ihren Einzug, sie  kam aus dem Osten und ist heute bei uns Standvogel.

Welche Vögel gab es 1950 bei uns die heute kaum noch bei uns vorkommen?

Der Neuntöter und der Große Würger, der Weißstorch, der Wendehals, der Gartenrotschwanz,  der Baumpieper, der Wiesenpieper, das Braunkehlchen, der Kiebitz, die Wachtel.

Große Veränderungen geschahen in den 60er Jahren in der Feldmark und diese setzen sich bis heute fort. Einmal ist es die Vollmechanisierung der Landwirtschaft. Sie kam langsam mit dem Ackerschlepper und hatte ihren ersten Höhepunkt in der Flurbereinigung. Während bis in die 50er Jahre die alte Flureinteilung in Winterfrucht, Sommerfrucht und Hackfrucht zu sehen war, wurde vieles anders. Diese alte Einteilung hatte seinen Grund. Vor der 1. Flurbereinigung (1913) gab es wenige Feldwege. Gemäht wurde mit der Hand. Da man über fremde Grundstücke gehen mußte, wurde das Mähen mit der Ortsschelle bekannt gemacht. Es wurde vorne angefangen. Da durfte nur eine Frucht z.B. Roggen in dem Flurstück vorkommen (Weizen wurde wenig angebaut). Daß diese Ordnung auch später noch eingehalten wurde lag besonders am Roggen. In der Roggenblüte gab es  in manchen Jahren windstille Tage. Einzelne Roggenfelder die weiter ab vom Hauptfeld standen waren taub, die Bestäubung hatte nicht stattgefunden. Wer es rechtzeitig merkte führte die Bestäubung künstlich durch. Es ging auf jeder Seite vom Acker ein Mann den Acker hinauf, dazwischen eine lange Leine die man über die Ähren schleifte so daß die Ähren in Bewegung kamen. Später in den 30er und 40er war durch den Binder wieder die Arbeit leichter, wenn der Nachbar die gleiche Frucht hatte und man nicht mit der Hand anmähen mußte. Mit dem Mähdrescher wurde die Situation anders. Die Fruchtfolge änderte sich, Hackfrucht wurde weniger angebaut. Es kam Abwechslung in die Feldmark.

Während die alte Dreifelderwirtschaft noch große zusammenhängende Flächen hatte, kam nun viel Abwechslung ins Feld. Damit erkläre ich mir, dass nie so viele Feldhamster im Feld waren wie im Jahre 1964, eines der letzten Jahre vor der Flurbereinigung. In den Rübenäckern, in den Kleeäckern, im Getreide, sie wurden mit dem Futter und mit den Rüben ins Dorf mitgenommen, im Stall, im Keller, in den Rübenmieten, überall waren diese putzigen Nager zu finden. Der Feldhamster ernährt sich  im Frühjahr hauptsächlich von Klee, im Sommer von Getreide und im Herbst von Kartoffeln und Rüben. Er kann keine großen Strecken überwinden. Und nun durch die Flurbereinigung, die großen Feldschläge, und durch die schnelle Ernte ist dieser „Schädling“ aus unser Gemarkung verschwunden.

Die Natur reagiert auf jeden Einfluß. An der Vogelwelt sieht man sehr schnell die Veränderung und deren Auswirkung. Ein Vogel kann schnell die Konsequenz ziehen und sich schnell in eine bessere Umgebung absetzen. Während Bodentiere nur bedingt ausweichen können und Pflanzen einfach nur verschwinden. Wir merken schnell wenn die Schwalben weniger werden, wenn aber z.B. der Feldhamster nicht mehr vorkommt oder die Arten der Hahnefußgewächse oder der Doldenblüter in den Gärten und Wiesen verschwinden, so wird das nur von wenigen bemerkt.

Um die Auswirkungen der Flurbereinigung für die ganze Natur etwas zu mildern, hatten wir damals Schutzhecken gefordert. Einmal eine in Nord-Süd Richtung quer durch die Gemarkung und zwei in Ost-West Richtung als Fortsetzung von Springebach und Lindbach. Obwohl man um den Wert  dieser Schutzräume wußte, wurde diese Idee abgelehnt.

Durch die Globalisierug mit ihrer verheerenden Preispolitik stehen ungeahnte Veränderungen in der Flur bevor. Es ist kaum noch Großvieh im Dorf, das wirkt sich auf den Landbau aus. Wiesen sollen erhalten werden, wenn da doch kein Gras wachsen würde wäre das einfach. Rüben und Futterflächen einschließlich Mais fallen weg. Sie waren Lebensraum für viele Kleintiere. Soll man da noch einen Naturschutzverein unterhalten, der keinen Gewinn bringt? Können wir auf all das verzichten, was uns die Natur gibt.

Einiges hat sich schon länger verabschiedet: Der Maikäfer, Futter für viele Insektenfresser in der Zeit der Jungenaufzucht, ist dem tieferen Pflug und dem Rückgang des Hackfruchtanbaus zum Opfer gefallen. Der Frosch, Futter für den Storch und auch andere Tiere, durch die Trockenlegung von Gräben in der Flurbereinigung, Den Feldhamster habe ich schon angeführt. Die Rauchschwalbe verschwindet mit dem Großvieh. Die Feldlerche kann die 2. Brut nicht durchführen, weil das Sommergetreide fehlt. Der Haussperling verschwindet sobald die Hühnerhaltung und die Viehhaltung aufgegeben wird. Die Feldmaus, einst eine große Plage und ein reich gedeckter Tisch für Greifen und Rabenvögel, kann sich in den großen Feldflächen nicht halten, sie ist auf Feldränder und Gräben angewiesen. Der Turmfalke, der früher nie einen Vogel verfolgte, geht heute auch ab und zu auf Vogeljagd. Die Elster hat sich ganz umgestellt, sie ist kaum noch in der Feldmark, dafür richtet sie vermehrt Schäden an den im Dorf brütende Vögel an. Der Kiebitz, Brutvogel von jeher in unser Gemarkung, mußte sein Revier durch Störungen durch Rabenkrähen aufgeben.

Der Biotopverbund ist das Nachfolgemodell der Schutzhecken von vor 35 Jahren. Im Grunde ist es das Gleiche. Seit 12 Jahren ist man bemüht einen Biotopverbund durchzuführen, aber die Sache ist schlecht geplant und in dieser Form nicht durchführbar. So nötig wie heute waren diese Schutzhecken noch nie. Sie bieten Schutzräume, müssen aber mit den Landwirten abgestimmt werden, damit die Bewirtschaftung der Anliegerflächen gesichert ist.

Wir brauchen Leute welche die Natur beobachten und zur Erhaltung mit ihrem handeln beitragen. Wir haben eine Verantwortung als Mensch die uns anvertraute Schöpfung zu bewahren. Das wollen wir in den kommenden Jahren tun. Die nächsten Jahre werden schwieriger als die vergangenen 50 Jahre. Fachkenntnis kann man sich durch beobachten und handeln aneignen. An der Natur muß man täglich dazulernen. Träumereien und falsche Vorurteile helfen hier nicht mehr weiter. Fachkenntnisse in das Volk zu bringen ist auch eine Aufgabe des Naturschutzvereins. 

 

 

26.02.: Den ersten singenden Hausrotschwanz verhörte F.J.DOSIO in Wierschem/MYK. Und am Rodheimer Waldsportplatz sang einen Tag später die erste Singdrossel – so eindrucksvoll, dass ein Fichtenkreuzschnabel auf der Spitze einer Lärche fast 10 Minuten andächtig lauschte! (kh)

 

 

 

Tip: Naturkundehaus Damm

(tma, ’98). Im Jahre 1994 feierte das Naturkundhaus Damm, das die mittlerweile umfangreiche naturkundliche Sammlung des Vereins für Natur- und Vogelschutz Damm zeigt, seine Eröffnung. Doch bis zu diesem Ereignis, das aufgrund seiner zahlreichen Straßenstände und Aktionen als "kleines Dorffest" bezeichnet wurde, war es ein langer Weg.

Vor 1930 war das kleine Fachwerkhaus in der Mitte des Lohraer Ortsteils Damm scheinbar noch ein einstöckiges Haus, was sich aber in den 30er Jahren änderte. Damals wurde das Haus als Gemeindehaus und Wahlraum genutzt. Während des zweiten Weltkriegs übernachteten in den Räumlichkeiten französische Kriegsgefangene, die tagsüber bei Landwirten Arbeit zu verrichten hatten. 1946 lebte eine Flüchtlingsfamilie aus Osteuropa im heutigen Naturkundehaus. Nach dem Kriegsende 1948 hatten die Bürgermeister von Damm ihr Sprechzimmer in der neuen oberen Etage. Als aber die Gebietsreform kam und Damm von Lohra eingemeindet wurde stand das Haus leer. Gelegentlich wurde es noch zum Kindergottesdienst und als Wahlraum genutzt, verfiel aber mit der Zeit immer mehr. Bald galt es als Schandfleck, sodaß die Dammer es abreißen wollten. Doch es stellte sich heraus, daß das zerfallene Fachwerkhaus unter Denkmalschutz stand. Also sollte es renoviert werden, wofür  Denkmalschutzamt und das Amt für Regionalentwicklung, Landschaftspflege und Landwirtschaft (ARLL) 70 Prozent der zur Renovierung anfallenden 136.000 Mark übernahmen. Die Gemeinde Lohra bot die Nutzung und den Ausbau des Hauses dem Verein für Natur- und Vogelschutz Damm an, der schon seit längerer Zeit nach einer Räumlichkeit suchte. Die Fundamente und die Fassade, sowie Heizung, Sanitäranlagen und Strominstallation wurden von Firmen erneuert bzw. aufgebaut. Der eigentliche Innenausbau zum Naturkundehaus wurde durch die Vereinsmitglieder in ehrentamtlicher Eigenleistung vollbracht. Etwa 3.500 Stunden Arbeit seien geleistet worden, so Gustav Geßner, der erste Vorsitzende des Vereins für Natur und Vogelschutz Damm.

Am 26. Juli 1994 konnte dann die Eröffnung gefeiert werden.

Mittlerweile umfasst die Sammlung des Naturkundehauses im Groben eine Vogel-, eine  Insekten-, eine Flechten- und eine Pilzausstellung, außerdem verfügt das Naturkundehaus über eine umfangreiche Videothek.

Das Naturkundehaus heute

Im Austellungsraum des Erdgeschosses fällt zuerst der glasbedeckte Tisch ins Auge. Hier befinden sich zwei Stereomikroskope mit denen man sich unterschiedliche Präparate wie Insektenaugen, Schmetterlingsflügel und ähnliches vergrößert ansehen kann. Außerdem fällt die von den Naturschützern selbst gebaute "Bauminfothek" auf. An dieser Vitrine sind Blätter, Früchte, Holz und Bilder von verschiedenen Baumarten aufgebaut, wobei man den Namen des Baumes erst erfährt, wenn man eine Karte hochklappt. So kann man das Bestimmen von Bäumen üben. Desweiteren sind verschiedene Pilze ausgestellt, sowie Informationstafeln über Biotopkartierungen und diverse Schutzmaßnahmen für einheimische Tiere.

Auf dem Weg nach oben begegnen dem Besucher weitere Schautafeln über die heimische Tier- und Pflanzenwelt, sowie der Geschichtsbericht einer zweihundertjährigen Eiche.

Im größeren Raum des Obergeschosses wird der Besucher in die heimische und europäische Insektenwelt entführt. In zahlreichen Schaukästen sind ettliche Käfer- und Schmetterlingsarten ausgestellt. Diese Sammlung wurde von Gert Ewelt angefangen und wird derzeit von Gerhard Müller erweitert und überarbeitet. Die Schmetterlingssammlung, die auch einige seltene Exponate zeigt, war ein Geschenk von Müller an das Naturkundehaus.

Außerdem sind die Lebensweisen von Ameisen- und Bienenarten dargestellt, in einer Vitrine sind zwei riesige Hornissennester zu sehen. Daneben wurde eine eigene Flechtenausstellung angelegt. Vor drei Jahren gab es eine vorrübergehende Sonderausstellung zum Thema Flechten, die von Experten zusammengestellt wurde. Flechten sind eine Symbiose (Lebensgemeinschaft) von einem Pilz und einer Alge. Da diese sehr empfindlich auf Schadstoffe reagieren, benutzt man sie als Indikatoren (Anzeiger) von Luftschadstoffen. 

Im zweiten Raum des Obergeschosses  befindet sich ein großes Diorama, das heimische Vogelarten andeutungsweise in ihrer natürlichen Umgebung zeigt. Geßner betonte, daß alle ausgestellten Vogelpräparate Unfallvögel sind oder aus Schenkungen von Privatsammlungen und Schulen ins Naturkundehaus gekommen sind. Außerdem sind in Vitrinen Eier und Nester unserer heimischen Vogelarten ausgestellt. Von einem Tonband "wirkt" ein Vogelkonzert auf den Betrachter ein.

Neben kurzzeitigen Sonderaustellungen werden über das Jahr verteilt auch verschiedene Aktionen im Naturkundehaus angeboten. So gibt es beispielsweise alljährlich im Herbst ein Pilzseminar, wo Laien etwas über die genießbaren und die ungenießbaren "Waldfrüchte" erfahren können. Vor kurzem gab es ein Bildseminar über Heilkräuter. Ein Vortrag über eingeschleppte Tier- und Pflanzenarten, wie die Goldrute und den Waschbär, wird derzeit vom Zoologen Dr. Günter Fries ausgearbeitet. Für den kommenden Winter ist geplant, ein Videogerät anzuschaffen um Filme über Tiere und Pflanzen aus der Videothek des Naturkundehauses jeweils im Rahmen eines Themenabends vorzuführen. Ebenso bietet der Verein Vogelkundliche Wanderungen und zahlreiche andere Aktionen an. Neben dem Naturkundehaus betreut der Verein für Natur- und Vogelschutz etwa 300 Nistkästen und kümmert sich unter anderem um Orchideen- und Amphibienschutz.

Der Eintritt ins Naturkundehaus ist frei, jedoch ist eine Eintragung in das Gästebuch erwünscht und Spenden zur Erhaltung des Hauses werden dankbar entgegengenommen.

Kontakt zum Naturkundehaus

Geöffnet ist das Museum samstags und sonntags von 15 bis 17 Uhr. Für Schulklassen und andere Gruppen ist eine Terminvereinbarung mit Gustav Geßner (Tel.: 06426/ 7505) oder Dr. Günter Fries (Tel.: 06462/7955) möglich.

Der Ortsteil Damm liegt zwischen Lohra und Oberwalgern; das Naturkundehaus befindet sich an der Ecke Untere Straße/ Salzbödestraße.


 


 

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