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Die NABU-Feldhamster-Seite
Fotos und Texte von Tim Mattern
Hamsterschutz Bericht 2009
NABU finanziert
wieder umfangreiche Hamster-Schutzmaßnahmen
Hamster sind eigentlich für jeden
ein Begriff. Aber dass es auch wildlebende Hamster im Kreis Gießen gibt, ist nur
wenigen bekannt. Noch geringer ist die Anzahl derer, die mal einen davon sehen
konnten. Die Rede ist hier nicht vom Goldhamster, sondern vom Feldhamster, der
noch im südlichen Kreis Gießen zu Hause ist. Damit das so bleibt, finanziert der
NABU Kreisverband Gießen bereits im dritten Jahr Hamsterschutzmaßnahmen bis zu
5000 Euro.
Die Maßnahmen zeigen Erfolg,
wie Hamsterexperte Martin Wenisch bestätigte. „Wir stützen die Hamstervorkommen
in ihren Kerngebieten, und von dort scheinen sie sich allmählich auch wieder
auszubreiten.“ Der Langgönser ist ein profunder Kenner des bis zu 500 Gramm
schweren Nagers, arbeitet in der Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz und im
NABU-Kreisvorstand mit. So ist die Herstellung der nötigen Kontakte zu den
Landwirten kein Problem. „Unser Ziel ist es, Lebensräume zu schützen.
Traditionell bedingt ist der NABU zwar eher vogelkundlichen Themen verbunden,
aber von unseren Projekten profitieren immer viele Arten“, erläuterte er. „Die
Hamster-Streifen helfen nicht nur den bunten Nagern sondern auch vielen weiteren
Arten wie zum Beispiel Rebhühnern, Wachteln und Feldhasen.“
Wenisch vermutet, dass die Randlagen der großen Lößgebiete, wie hier die
nördliche Wetterau im Kreis Gießen, bald zu den letzten Lebensräumen der
Feldhamster zählen könnten. „Im Rhein-Main-Gebiet, wo es derzeit noch recht gute
Bestände gibt, herrscht ein starker Druck auf die Flächen.“ Es würden laufend
Bauland und Gewerbegebiete ausgewiesen, so dass den Feldhamstern weniger Fläche
zum Leben und den Landwirten immer weniger Ackerland für die Bewirtschaftung
verbleibe. Hinzu komme ein enormer Freizeitdruck und die Störung der Hamster
durch streunende Katzen und Hunde. In den so gestressten Populationen erlange
die Gefahr durch natürliche Feinde, wie Greifvögel und Füchse, dann eine
zusätzliche Bedeutung. Ein enges Straßennetz führe außerdem zu häufigerem Tod
auf der Straße. Im Kreis Gießen sei die Lage zwar noch nicht so prekär wie im
südhessischen Raum – jedoch sei auch hier immer noch ein zu starker
Flächenverbrauch zu beobachten.
Im
Rahmen der vom NABU und dem Hessischen Umweltministerium geförderten
hamsterfreundlichen Bewirtschaftung werden bei der Getreideernte zwei bis vier
Meter breite Streifen mit Feldfrüchten belassen, die erst nach dem 1. Oktober
umgebrochen werden dürfen. Für die so genannten „Hamster-Mutterzellen“ lassen
die Landwirte sogar rund 1200 Quadratmeter Getreide stehen, verständlicherweise
gegen einen finanziellen Ausgleich. Kreisweit gibt das Ministerium jährlich rund
10.000 Euro für den Schutz dieser seltenen Tierart aus. Der NABU stockt diese
Mittel um 5000 Euro auf, die dann ebenfalls den Hamstern im Kreisgebiet zu Gute
kommen. So hat der größte Naturschutzverband in Gießen aktuell rund 25 Hektar
bei vier Landwirten unter Vertrag. Auf den Feldern von fünf weiteren Landwirten
zahlt das Land Hessen die Anlage der Hamsterstreifen. Die Maßnahmen des
NABU-Kreisverbandes befinden sich auf Ackerflächen bei Langgöns und bei
Holzheim.
„Die
Hamster nehmen die Fruchtstreifen nach der Ernte sofort an“, erklärte Wenisch,
der kürzlich mit Vorstandsmitglied Anja Ute Wölm die Maßnahmen besichtigte. „Auf
den Flächen mit eingearbeiteten Stoppeln haben sie keine Deckung vor Feinden und
finden kaum Nahrung. So ziehen sie sich dann schnell in das stehende Getreide
zurück und legen dort neue Baue an um auch dort zu überwintern.“ Durch die
oberflächige Stoppelbearbeitung selbst drohe den Hamstern kaum Gefahr, da
Bodenbearbeitungsgeräte wie der Grubber die Hamsterbaue nur verschütten.
Hingegen werden Junghamster bei größerer Bearbeitungstiefe oftmals ausgepflügt.
Feldhamster waren in Ackerbaugebieten, vorrangig mit tiefgründigen Lößböden,
ehemals weit verbreitet und richteten - dort durch das Eintragen der Körner -
einen Ernteausfall für die Landbevölkerung an. Deshalb wurden die Tiere seither
intensiv bekämpft. Die Baue wurden mit Wasser und Jauche geflutet, die
flüchtenden Hamster erschlagen. Noch bis in die 1970er zahlte man in einigen
Kreisgemeinden Kopfgeld auf tote Feldhamster. Mit der Hamsterjagd verdienten
sich viele Kinder und Jugendliche ein Taschengeld. Heute sind die Hamster sehr
selten geworden und stehen unter europaweitem Schutz. Die gründliche Ernte durch
die modernen Maschinen lässt kaum Getreidereste – und somit kaum Nahrung für die
bunten Nager – zurück. Zudem werden die Felder häufig sofort nach der Ernte
bearbeitet, so dass den Hamstern keine Deckung mehr zur Verfügung steht und sie
bei der Nahrungssuche und Wanderung leichter Feinden zum Opfer fallen. Früher
dauerte die Ernte mehrere Wochen. Heute ist nach 14 Tagen die Ernte eingebracht
und die Felder sind kahl.
Es
gibt auch Berichte, wonach die wehrhaften Hamster Mähdrescher angriffen und
dabei überfahren wurden. Der Tod auf der Straße ist ebenfalls eine Ursache, denn
wenn die jungen Hamster sich neuen Lebensraum erobern, streifen sie oft weit
umher.
„Das
typische Hamstern dient der Einlagerung von Vorräten für den Winter“, erläutert
Wenisch das Verhalten. „Sie tragen dabei zwei bis vier Kilogramm Getreidekörner
– in Ausnahmen auch mehr - in eine Kammer ihres unterirdischen Baues. Sie
schlafen den Winter nicht durch wie Igel, sondern wachen von Zeit zu Zeit auf
und benötigen dann Nahrung. Das ist vergleichbar mit den Eichhörnchen, die Nüsse
als Wintervorrat sammeln, nur dass die Eichhörnchen keine Backentaschen als
Transporthilfe besitzen. Neben Getreide nehmen die Hamster übrigens auch andere
vegetarische Kost sowie Insekten, Würmer und junge Feldmäuse zu sich.“
Der
Bau eines Hamsters gleicht indes einer Mehrraumwohnung. Außer der Vorratskammer
gibt es einen Wohnkessel, wo auch die jungen Hamster zur Welt kommen. Davon
abgesondert ist der Kotplatz. Schräg zur Oberfläche ansteigende Röhren dienen
als Ausgang und zum Abtransport von Erdaushub. „Die senkrechten Fallröhren
können bis zu 80 cm tief reichen und dienen den Hamstern als schneller Fluchtweg
von der Bodenoberfläche.“
Im Winter graben sich die
Tiere nicht selten bis zu 2 Meter tief ins Erdreich ein. Denn nur so ist eine
sichere Überwinterung gewährleistet. „Deshalb sind die tiefgründigen Böden auch
so wichtig“, bemerkt Wenisch. Im kommenden April oder Mai öffnen die Feldhamster
hoffentlich dann ihre Baue und ein weiteres „Hamsterjahr“ mit
Hamsterschutzmaßnahmen, gesponsert vom NABU Kreisverband Gießen kann erfolgen.

Anja Ute Wölm und Martin Wenisch begutachten die
Hamster-Schutzmaßnahmen 2009
 

Fruchtstreifen auf einem ansonsten abgeernteten Feld bei
Langgöns (2009)

Durch die Stoppelbearbeitung rasch nach der Ernte steht den
Feldhamstern kaum noch Deckung zur Verfügung. Sie ziehen sich
schnell in die belassenen Getreidestreifen (Vordergrund)
zurück.

Hamsterbau 2009

So bunt sind die
Feldhamster! Sie dürfen nur mit Genehmigung in Menschenobhut
gehalten werden.
Hamsterschutz Plakette 2008
K.-H. Luh
für Feldhamsterschutz ausgezeichnet
Langgöns. Seit 2005 erntet der Landwirt
Karl-Heinz Luh auf einigen seiner Felder nicht jeden Getreidehalm: Bei der Ernte
bleiben Streifen stehen, um Nahrung und Rückzugräume für Feldhamster zu bieten.
Für Luhs Teilnahme am Schutzprogramm überreichte Martin Wenisch von der
Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz dieser Tage eine Plakette und eine
Infobroschüre.
Luh
bewirtschaftet rund 85 Hektar Ackerland, wo auch schon vor dem Beginn des
Projekts noch Hamster vorgekommen sein müssen. „Meine Bewirtschaftung kann also
nicht so ganz hamsterfeindlich gewesen sein“, sagte Luh. Seit 2005 werden nun
bei jeder Ernte Maßnahmen getroffen, die die Feldhamsterpopulation stützen
sollen. Für die nicht geernteten Früchte und den überschaubaren Mehraufwand bei
der Bewirtschaftung erhält der Landwirt einen finanziellen Ausgleich von der AG
Feldhamsterschutz. Die Mittel stellt das Land Hessen zur Verfügung; Feldhamster
stehen als bedrohte Art unter europaweitem Schutz (Natura 2000-Richtlinie). Auch
der NABU Kreisverband Gießen steuerte Gelder bei, um die restlichen
Hamstervorkommen im Kreisgebiet zu schützen.
Im
ersten Jahr wurden nur schmale Streifen Getreide stehen gelassen sowie breitere
Streifen mit Stoppeln. Es zeigte sich aber, dass etwa zwei Meter breite
Getreidestreifen ohne weitere Stoppelflächen für die Hamster offenbar günstiger
sind. Hierhin ziehen sich die bunten Nager zurück, legen ihre Baue an und tragen
Körner als Wintervorrat ein. Wenisch habe an die fünfzig Baue in den
Hamsterstreifen auf Luhs Äckern feststellen können. Das spreche für ein
Vorkommen von zwanzig bis dreißig einzelnen Hamstern. „Hamster legen mehrere
Baue an, insbesondere die Männchen nutzen wechselnd mehrere als Unterschlupf“,
erklärte Wenisch. Jedoch sei über die genauen Abläufe in der Nutzung der Baue
über die Jahreszeiten und die räumliche Verteilung kaum etwas bekannt. Luh
berichtete im Gespräch, dass es deutlich mehr Hamster gegeben habe, als die
Feldgemarkung noch kleinparzellig strukturiert war und es auch noch mehr
Feldfutterbau gegeben habe. „In diesen mehrjährigen Kulturen von Klee oder
Luzerne konnten die Hamster auch auf flachgründigen Standorten Baue anlegen, da
ja keine Bodenbearbeitung stattfand. Heute sind sie nur noch in Gebieten mit
tiefgründigen Lößböden.“ Dort könnten die Hamster tief genug graben, damit die
Schlafhöhlen nicht vom Pflug zerstört würden.
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