SP DEZ 2001 Seite 1

Wenn kleine Könige zusammenrücken – Eine wahre Wintergeschichte

 

An den ersten frostig kalten Wintertagen, kurz vor Einbruch der Dämmerung, ertönen sie wieder: Schnarrende, unruhige, zuweilen lockende Laute aus wechselnden Richtungen, die wenige Minuten vor der Dunkelheit noch an Stärke zunehmen und dann von einem Augenblick zum anderen verstummen, als hätte die Nacht sie verschluckt. Nur ein geübtes Ohr vernimmt jetzt noch ein leises Flüstern von einer einzigen Stelle aus.

Dann folgt die Stille der eiskalten Nacht. Was ist geschehen?

 

Eines Abend im Winter – es war noch gerade hell – erschienen mehrere Zaunkönige in unserem Garten, alle kurz hintereinander. Eine Weile lang konnte ich ein Wechselspiel aus gegenseitigem Locken und Verfolgen beobachten, dann waren plötzlich alle wie vom Erdboden verschwunden. Ich wunderte mich über diese kleine Gesellschaft, denn Zaunkönige verbringen den Winter als Einzelgänger. Jedenfalls tagsüber. Aber nachts?

 

Am nächsten Abend kamen sie wieder, von allen Seiten machten sie durch schnarrende auf sich aufmerksam, aufgeregt flogen sie wie kleine braune Bällchen dicht über Boden und an den Wänden entlang. Jetzt noch von Zaunkönigen und ihren Stimmen umgeben, sah und hörte ich im nächsten Moment nichts mehr. Verwundert stand ich in der nun lautlosen Dunkelheit. Waren sie vielleicht doch noch in der meiner Nähe? Bereits ahnend, daß ihr Versammeln und gemeinsames Verschwinden mit dem Verbringen der kalten Nacht zu tun haben mußte, nahm ich mir vor, am nächsten Abend Licht in ihr geheimnisvolles Treiben zu bringen.

 

Noch immer war es bitterkalt, und wieder kamen sie: Fünf, sechs, sieben trafen noch bei Tageslicht beinahe gleichzeitig ein. Ich gab mir alle Mühe, ihre kleinen, kugeligen, manchmal mehr wie Mäuse huschenden als fliegenden Körper auch bei einbrechender Dunkelheit nicht auch den Augen zu verlieren. So konnte ich gerade noch sehen, wie sie als kaum wahrnehmbare Schatten in einer Kletterpflanze am Haus verschwanden. Genau dort, wo im vergangenen Jahr eine Bachstelze ihr Nest gebaut hatte! Jetzt wurde mir klar, wohin es die Zaunkönige zog. Als ich von einem Fenster aus leise in das darunterliegende Nest leuchtete, bot sich mir ein eindrucksvolles Bild: Eine kleine braune Federkugel mit sieben einander zugewandten Schnäbeln ruhte dort – beinahe unbeweglich, nur einen kurzen Moment lang hatte ich Blickkontakt mit einem wie fragend zu mir aufsehenden Zaunkönig, dann war auch er wieder einer von vielen.

 

Mit dem allerersten Tageslicht verließen die Zaunkönige die wärmende Gemeinschaft wieder und begaben sich für die hellen Stunden des Wintertages jeder auf seine eigenen Wege.

 

Eng aneinanderrücken und sich gegenseitig wärmend eine kalte Nacht überstehen – wie faszinierend ist doch die Überlebensstrategie dieser kleinen Geschöpfe!

 

Seitdem ich auf diese Weise Einblick in das Nachtleben der Zaunkönige gewonnen habe, versuche ich mich Winter für Winter noch mehr mit ihrer Eigenart vertraut zu machen.

Im vergangenen Dezember wählten sechs Zaunkönige ein altes Zaunkönignest in einem windgeschützten Mauerloch aus. Dieses Schlafnest konnte ich aus nächster Nähe beobachten und jetzt sogar ihre Stimmen am Nest wahrnehmen: Ein sehr leises, hohes und unruhiges Rufen der Zaunkönige vor dem Nesteingang, die noch nicht ihren Platz eingenommen hatten, und ein zartes, beruhigend klingendes Wispern aus dem Nestinnern. Letzteres glich einem leisen Erzählen und dauerte noch eine Weile an, nachdem alle im Nest waren. Ich hatte es noch nie zuvor gehört, das Abendgeflüster der Zaunkönige!

 

Mittlerweile weiß ich, daß Zaunkönige dieses Verhalten nur an sehr kalten Winterabenden zeigen. Friert es nachts nicht, kommen die erst gar nicht. Dann übernachten sie wie die meisten anderen Singvögel alleine in Baumhöhlen, dichten Hecken, Mauernischen oder Kletterpflanzen. So sind sie für mich zu einer zuverlässigen Temperaturvorhersage geworden.

 

Seither bleibt bei mir ein altes, an einer geschützten Stelle gebautes Nest unberührt. Es wird zwar meistens im folgenden Jahr zum Brüten nicht mehr benutzt. Aber eine kalten Abends im Winter könnte es doch wieder bezogen werden ...

 

  1. Ursula Wawra; Naturerleben durch das ganze Jahr; Natur-Verlag Wawra, Aachen 1997
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    NABU-Tipp zur Naturbeobachtung im November:

      1. Harte Zeiten: Viele Tiere verfallen jetzt in Winterschlaf oder werden zum Verkehrsopfer

Wetzlar – Viele Tiere kann man jetzt am Tage beobachten, die man sonst nur nachts zu Gesicht bekommt. Siebenschläfer, Igel und natürlich die vielen Zugvögel, die sich jetzt auf den Weg in ihre Überwinterungsquartiere machen, sieht man ziehen, hört man in Gebäuden rumoren oder im Garten laut schmatzen.

Wer sich jetzt über den Radau auf seinem Dachboden oder seinem Schuppen wundert, könnte es mit einem Siebenschläfer oder einem anderen unserer heimischen Bilche zu tun haben. Diese nutzen noch die letzten frostfreien Tage, um sich einen ruhigen Platz zum Überwintern zu sichern. Ein paar Tage, dann sind diese Tiere für Monate nicht mehr zu hören.

Und auch Igel, vor allem die Jungtiere sind jetzt noch vermehrt aktiv und auch am Tage unterwegs, um sich noch genügend Fett für ihren Winterschlaf anzufressen. Auf keinen Fall sollten solche Tiere aus der Natur entnommen werden. Noch ist Zeit genug, dass sie sich ausreichend auf die kalte Jahreszeit vorbereiten können. Nur wenn ein Igel völlig apathisch wirkt oder taumelt, sollte man ihn zu einem Tierarzt bringen. Doch für viele von ihnen bedeutet die vermehrte Aktivität auch das enorme Risiko überfahren zu werden.

Der NABU fordert daher alle Autofahrer auf, besonders jetzt in Garten- und bei Parkanlagen, in Siedlungen, an Hecken und natürlich auch im Wald vorsichtig und langsamer als sonst zu fahren. Auch sollte jetzt bei den Gartenaufräumaktionen nicht alles Reisig und Laub fortgebracht werden. Wer den Igeln in seinem Garten einen solchen Überwinterungsplatz anbieten kann, hat sehr viel für ihren Schutz getan. Denn nicht das kalte Wetter macht den Tieren zu schaffen, sondern der Mangel an Nahrung und geeigneten Lebensräumen. Doch mit einer genügend großen Igelburg lassen sich die harten Winterzeiten gut verschlafen. Der Verzicht auf Gift und die Vermeidung von Igelfallen wie steilwandige Wasserbehälter oder Teiche steigern die Überlebenschancen der Igel ebenfalls enorm.

Das neue NABU-Aktiv Heft zum Igel mit vielen Tipps und Adressen kann gegen 3 Euro in Briefmarken beim NABU –Naturshop in Hannover bezogen werden, Tel.: 05 11.12 38 313

 

 

 

Warum singen Vögel im Winter?

 

"Warum" darf man Wissenschaftler ja eigentlich gar nicht fragen.... (Mir fällt da die stereotype Antwort der Internet-Suchmaschinen ein: Sie haben 5000 Treffer - Möchten sie wirklich alle ansehen ? )

Über den leisen sogenannten "Subsong" schreibt Einhard Bezzel ("Ornithologie", UTB 1990 ) : "(...) häufig als Übergang zwischen noch wenig differenziertem Jugendgesang und Vollgesang, aber auch als Zwischenform zwischen Vollgesängen in jährlichen, täglichen oder noch kleineren Pausen. Er ist meist (...) hoch variabel und oft mit Fremdimitationen angereichert. (...) Meist singen nur Männchen, bei einer Reihe von Arten aber auch Weibchen ( Rotkehlchen, Brachpieper u.a. )." In seinem "Kompendium der Vögel Mitteleuropas" ( AULA 1993 ) erwähnt er zur Amsel leisen Herbstgesang mindestens einjähriger Männchen bis in den Winter hinein. Ich habe diesen leisen Amselgesang im letzten (sehr milden) Winter am Oberrhein ebenfalls öfter gehört; besonders auch bei Regenwetter, wenn die Amseln sich im Efeu versteckten; bei schönem Wetter singen und rufen noch so viele andere Vögel, vieleicht ist er mir da nicht so aufgefallen. Ich kann mir vorstellen, daß der leise Gesang Übung ist (besonders für Männchen, die sich noch nicht lauter trauen) und zugleich "beruhigend", so wie wir auch manchmal vor uns hinsummen....aber wer ( im GBN ) weiß?

(Michl Wördehoff im German Bird Net)

 

 

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